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Die Guttenbergs

Zu Verdis Klängen

Stephanie zu Guttenberg hat sich erst auf den zweiten Blick in ihren Mann verliebt.
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„Alles, was donnert.“ Stephanie zu Guttenberg mit ihrem Mann, hier bei der Aids-Gala vor zwei Wochen. Foto: Davids DAVIDS/Walterscheid
Verdis Requiem ist so eine Art Schicksalsstück für Stephanie zu Guttenberg. Ihren späteren Mann, den heutigen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, traf sie mit 19 auf einer Party am Rande der Loveparade. Sie kannten sich über Freunde, „aber eher vom Wegsehen“.

Auf den ersten Blick war er ihr eigentlich nicht sympathisch. Bei der Party kamen sie auch nur ins Gespräch, weil sonst keine Bekannten dabei waren. Der Kontakt blieb lange freundschaftlich. „Wir haben uns zuerst als Menschen kennengelernt, die unheimlich gern Zeit miteinander verbringen, bevor wir ein Paar wurden.“ Irgendwann lud er sie in ein Konzert ein. Sein Vater dirigierte Verdis Requiem. „Das hat mich tief berührt.“ Gefunkt hat es an dem Tag wohl auch. Geheiratet hat sie mit 23, eine weiße Hochzeit, mitten im Winter.

Wenn am morgigen Sonntag ihr Schwiegervater Enoch zu Guttenberg in der Phiharmonie Verdis Requiem dirigiert, tut er das gratis und ihr zuliebe. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für „Innocence in Danger“, die Organisation, die gegen sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet kämpft. Seit einem Jahr ist sie die deutsche Präsidentin, und der Erlös des Konzerts ist für ihre Organisation bestimmt. Auch die anderen Künstler treten gratis auf.

Bislang war Stephanie zu Guttenberg die unbekanntere Hälfte des neuen Paars der Berliner Gesellschaft. An der Seite des Verteidigungsministers glänzt die 32-Jährige mit langen blonden Haaren auf der Aids-Gala oder mit eleganter Steckfrisur im kleinen Schwarzen beim Jubiläumsdinner im Jüdischen Museum. Wie ihr Mann tritt die Ururenkelin des Reichskanzlers Otto von Bismarck selbstbewusst und eloquent auf. Obwohl sie selbst keinem Brotberuf nachgeht, strahlt die Mutter von zwei Mädchen im Alter von acht und sechs aus, dass sie mehr ist als nur die Frau an seiner Seite.

Engagement bedeutet für sie auch die Teilnahme an Projektwochen für missbrauchte und traumatisierte Kinder. „Es ist wirklich eine Freude, zu sehen, wie im Laufe weniger Tage die Kinder ein Stück ihrer Kindheit zurückgewinnen, wie sie fröhlicher werden.“ Viele sind blass und ernst am Anfang, haben alte Gesichter. Ihr nächstes Ziel ist es, die Projektwochen, in denen Künstler mit den Kindern kreativ arbeiten, wissenschaftlich begleiten zu lassen, um so auch einen Beitrag zu Therapien leisten zu können. Stephanie zu Guttenberg ist ein Unternehmerinnentyp. Sie achtet darauf, dass die Organisation mit geringem Verwaltungsaufwand auskommt. Sie wirkt auch durchaus so, als genieße sie es, Entscheidungen rasch und im kleinsten Kreis treffen zu können.

Und wie gibt sie ihren Kindern Anna und Mathilda das Rüstzeug mit, das Kinder brauchen, um sich vor Übergriffen zu schützen? Kein Computer im eigenen Zimmer, lautet eine ihrer Regeln. So kann sie immer mal schauen, was da gerade läuft. Und jedes Körperteil wird benannt. Es darf keine Tabus geben, damit die Kinder alles aussprechen können. Außerdem hat jedes Kind das Recht, „nein“ zu sagen, wenn es um den eigenen Körper geht. Das bedeutet auch, dass es einen Verwandten nicht küssen muss, wenn es nicht mag. Solche Dinge findet sie wichtig, damit die Kinder in Freiheit aufwachsen können.

Die junge Mutter ist froh, dass sie früh Kinder bekommen hat. Die haben für sie oberste Priorität. Sie möchte, dass sie glücklich und kindgemäß aufwachsen. Sie liebt ihre Nachbarschaft im Westend und ist begeistert von der katholischen Schule, auf die sie ihre Kinder schickt. Die Eltern der Schüler dort kommen aus allen Bereichen, teilen aber ihre Werte. Auch sie selbst ist an einer normalen Schule in München groß geworden, hat später in Freiburg, Tübingen, Paris und Edinburgh Geschichte und Politik studiert. Am meisten Spaß gemacht hat ihr das Studium der Textilwirtschaft in Nagold im Schwarzwald. Da ging es nicht nur um Designerklamotten, sondern auch um Nutztextilien, um Faserforschung, Herstellung, Chemie: „Das hat mich total fasziniert.“ Nebenbei hat sie im Vertrieb einer Modeagentur gejobbt. Im Moment hat sie keine konkreten Pläne, in die Modebranche einzusteigen, aber wenn das später mal der Fall sein sollte, würden sie vor allem die kaufmännischen und technischen Aspekte interessieren. Ihre Mutter war Schwedin, kam aus Smaland, der Gegend der Tüftler, und ihre Vorfahren waren überwiegend Naturwissenschaftler oder Mathematiker. Sie selbst ist in München geboren und zweisprachig aufgewachsen.

Außer Klassik mag sie vor allem Technomusik, geht gerne tanzen in Clubs. Sie hört auch Abba gern oder Choräle: „Alles, was donnert.“ Gern, wenn sie mit 180 km/h zum Familiensitz Schloss Guttenberg nach Oberfranken braust. Auch dort hat die Familie noch ein Zuhause. Seit ihr Mann Minister ist, hat sie es übernommen, die ganze Organisation der Familie zu übernehmen. Das wäre auch so eine Geschäftsidee, die sie verwirklichen könnte: Menschen ihr Leben zu organisieren, Immobilien, Sicherheit, Einrichtungen, Personal etc. „Das könnte ich gut“, sagt sie selbstbewusst lächelnd. „Ich wäre auch ein guter Headhunter für Personal.“

Sie joggt, reitet, segelt, macht Yoga und Pilates, geht gern mit den Kindern ins Naturhistorische Museum, liest gerne vor, lässt sich aber auch immer noch gerne vorlesen. Sie ist nicht überehrgeizig, aber sie möchte, dass ihre Kinder Fantasie entwickeln. „Deshalb müssen sie sich auch mal langweilen.“ Klagen sie darüber, kriegen sie von ihrer Mutter zu hören: „Nur Langweiler langweilen sich.“

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.11.2009)
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Kommentare [ 7 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von flipper flipper ist gerade offline | 21.11.2009 10:29 Uhr
Was soll das denn?
Ärgerliche und überflüssige, und damit abogefährdende Hofberichterstattung, die, wenn überhaupt nichts im Weltspiegel, sondern allerhöchstens in der Sonntagsbeilage etwas zu suchen hätte. Bunte und nichtssagende Nachrichten über Stars, Sternchen und Ehefrauen zur Ablenkung von wirklich nötiger Aufklärung über Missstände sind besser in entsprechenden Klatschblättern aufgehoben, die den Dingen nicht auf den Grund zu gehen brauchen.
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von krefelderin krefelderin ist gerade offline | 21.11.2009 12:08 Uhr
Danke
Mehr oder weniger unfreiwillig veranschaulicht der Artikel doch, wie eine bestimmte Schicht hierzulande tickt. Stephanie G. hat so einiges studiert (mit oder ohne Abschluss) und nie in einem richtigen Beruf gearbeitet, doch sie sagt über sich: "Ich wäre ein guter Headhunter für Personal". Und die Autorin, Frau Binder, bescheinigt ihr noch: "Sie ist ein Unternehmerinnentyp." Es nervt, aber interessant ist es schon.

MFG
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von aepfelundbirnen aepfelundbirnen ist gerade offline | 21.11.2009 14:44 Uhr
Nur Neider kann das nerven
Was nervt sie daran? Gibt doch einige Hinweise der Artikel, jedenfalls für Leute, die mehr als Buchstaben lesen. Und Unternehmertum ist eine menschliche Eigenschaft. Es gibt Leute die tun was und andere studieren oder kritisieren. Nur Neider kann das nerven. Mich nerven nichtmal die: Bedauerlich höchstens, als Abhängige von anderen, äusserem.
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von ArminGips ArminGips ist gerade offline | 21.11.2009 13:58 Uhr
Fassungslos schlechter Text
Das ist der schlechteste Artikel, den ich je gelesen habe. Auch in der Gala würde sowas nicht gedruckt werden. Keine Distanz, keine Struktur, kein Anlass - und schlecht geschrieben! So schlecht, dass wir beim Frühstück lauthals über jeden Satz lachen mussten. Dennoch bleibt es ärgerlich. So etwas darf dem Tagesspiegel nicht passieren. Ein Beispiel: "Außer Klassik mag sie vor allem Technomusik, geht gerne tanzen in Clubs. Sie hört auch Abba gern oder Choräle: „Alles, was donnert.“ Gern, wenn sie mit 180 km/h zum Familiensitz Schloss Guttenberg nach Oberfranken braust." Abo gekündigt!
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von josef-anton josef-anton ist gerade offline | 21.11.2009 19:45 Uhr
Verdi und die Realität...
Jedes Kind darf nein sagen, wenn es um den eigenen Körper geht.
Dies wird den Kindern in Afghanistan aber nicht gegönnt, wenn sie von unseren Soldaten bombadiert werden.
An dies sollten die Leser dieses Artikels auch denken.
Zu den Klängen Verdis passen so gar nicht die weinenden Kinder Afghanistans.
Die schönen und Reichen, die Mächtigen dieser Welt leben so scheint es in einem Paralelluniversum.
Man wird wohl einfach die Relaität verdrängen.
Denn Mord und Todschalg sind weit weg,
wenn der Schwiegervater Verdi dirigiert.
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von villanella villanella ist gerade offline | 24.11.2009 12:36 Uhr
zum Weinen
Ja, sicher wird hier so einiges verdrängt in unserer Gutmenschen-Parallelwelt, und als einer derjenigen, die tatsächlich dabei waren, kann ich sagen, dass ich mich selten so fremd gefühlt habe wie unter all der Selbstbeweihräucherung der hochrangigen Gäste. Dennoch: Verdis zutiefst pessimistisches und gleichzeitig so innbrünstig um Hoffnung bittendes Requiem hat eine Kraft, die vielleicht den einen oder anderen so berührt, dass er wirklich alle Hebel in Bewegung setzt, um die erschütternden Missstände zu mildern. Wenn nur ein einziges Kind dadurch eine Chance bekommt, zu einem unbeschwerten Leben zurückzufinden, hat sich so ein Konzert schon gelohnt.
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von htrunz htrunz ist gerade offline | 22.11.2009 19:45 Uhr
Geschlossene Gesellschaft
Vermögen unter sich, Grundbesitz unter sich, Eliten unter sich, Adel mit Besitz heiratet Adel mit Besitz. Was hat sich 1918 geändert? Die Deutschen und ihre lachhaften "Revolutionen".

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