Welt : Zu Ehren von Konrad Adenauer

Suzan Gülfirat

Kaum jemand in der Türkei kennt Konrad Adenauer, obwohl vor drei Jahren eine Straße nach ihm benannt wurde. In Ankara, der Hauptstadt der Türkei, steht deshalb seit kurzem ein Gedenkstein zu Ehren des ersten deutschen Bundeskanzlers: "Konrad Adenauer (1876-1967), (...) hat während seiner Zeit als Bundeskanzler den Übergang in die soziale Marktwirtschaft und die Bindung Deutschlands an den Westen verwirklicht", wird darauf erklärt. Der sechseckige Steinklotz steht auf dem Gehweg einer vierspurigen boulevardähnlichen Strasse im vornehmen Stadtteil Çankaya, die "Konrad Adenauer Caddesi" (Strasse) heißt. "Es gab zahlreiche Anfragen bei der Stadtverwaltung, wer der Mensch eigentlich ist", sagt der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ankara, Wulf Schönbohm, der der Initiator dieser Aktionen ist. Deshalb sei dieser Gedenkstein aufgestellt worden.

Die Idee zu dem Straßennamen sei ihm bei einem Spaziergang im besagten Stadtteil gekommen, als er eine "Willy Brandt Sokak" (Gasse) entdeckt habe. Bei einem Besuch beim Oberbürgermeister von Ankara, Melih Gökçek, habe er den Politiker deshalb "spontan" gefragt, ob man nicht in Çankaya auch eine Straße nach Konrad Adenauer benennen könne. Der Politiker der islamistischen Wohlfahrtspartei versprach dem CDU-Mitglied, sich dafür einzusetzen.

Allerdings hatte der zuständige Ausschuss des Stadtrates Bedenken, weil eine Straße in Çankaya umbenannt werden musste. Auch die Sozialdemokraten waren dagegen, weil sie befürchteten, dass dadurch die kleine "Willy Brandt Sokak" herabgewürdigt würde. Der Oberbürgermeister von Ankara, zu dem Schönbohm nach eigenen Angaben ein gutes Verhältnis hat, legte jedoch "großen Wert auf eine einstimmige Entscheidung im Stadtrat." Mehrere glückliche Fügungen führten schließlich dazu, dass doch noch mit mit einer Musikkapelle und durch das Durchschneiden eines roten Bandes eine "Konrad Adenauer Caddesi" in Ankara eingeweiht wurde. Der Besuch des Oberbürgermeisters von Stuttgart, Wolfgang Schuster, stand an, und Schönbohm fand eine neu gebaute vierspurige Straße in der Nähe seiner Wohnung, die eine Nummer als Namen hatte. Doch Schönbohm ist überzeugt, dass er selbst die wesentlichen Argumente geliefert hat: "Willy Brandt hat die Öffnung Deutschlands im Osten erfolgreich betrieben und innenpolitische Reformen vorangebracht. Konrad Adenauer hat jedoch die soziale Marktwirtschaft und die Bindung des geteilten Deutschland an den Westen durchgesetzt", sagte er dem Oberbürgermeister. Danach hätten auch die letzten Skeptiker ihre Zustimmung für die Straßenbennenung gegeben. Zehn Tage später sei die erfreuliche Nachricht gekommen. Eine Konferenz - zwei Jahre später - mit Gästen aus Deutschland hat Wulf Schönbohm als Anlass genutzt, den Gedenkstein vor dem Gebäude der Konrad-Adenauer-Stifung zu enthüllen.

Helmut Kohl, war weder bei der Eröffnung, noch bei der Enthüllung des Steins dabei. Das Verhältinis der beiden steht nicht zum Besten. Der Alt-Kanzler hatte Wulf Schönbohm nach internen Reibereien kurz vor der Bundestagswahl 1990 von seinem Amt als Leiter der Abteilung Planung entbunden. Dort war Schönbohm unter anderem für die Ausarbeitung des Wahlkampfprogramms der CDU zuständig. Seitdem reden die beiden kaum noch miteinander.

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