Zu Hause : Sein bestes Stück

Eine Studie enthüllte das Unfassbare: Nur 15 Prozent aller Männer kaufen ihre Möbel selbst. Hier erzählen Betroffene von Sofaecken, grünem Samt und Yucca-Palmen.

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Mann fühlt sich wohl.Foto: Mauritius images

Das Bett mit 30
Ich bin total entscheidungsschwach, wenn es ums Kaufen neuer Möbel geht. Wahrscheinlich würde ich heute noch einen umgedrehten Bierkasten als Tisch nutzen, wenn mir nicht mehrfach Freunde und Verwandte ihre alten Möbel überlassen hätten. Mein Bücherregal stammt vom Vormieter, der damit unter keinen Umständen umziehen wollte. Der Kleiderschrank gehörte meiner Urgroßtante, der Fernsehsessel einem Freund, der Küchentisch einer Freundin. Die schenkte mir auch ihr Sofa, als sie ein schickes neues bekam, und sie froh war, dass ich das alte aus ihrer Wohnung schaffte. Das einzige Bild hat mir mein bester Freund gemalt, nachdem ich wegen der weißen Wände gefragt wurde, ob ich gerade eingezogen sei. Da lebte ich schon zwei Jahre in der Wohnung. Mit 30 habe ich endlich doch die ersten Möbel gekauft: ein Fernsehboard und ein Bett. Die Entscheidung fiel erstaunlich leicht. Wahrscheinlich lag es daran, dass mir nach zehn Jahren Grübeln kein Argument mehr einfallen wollte, warum ich den Kauf noch weiter aufschieben sollte. Zum Schleppen kamen zwei schwule Freunde mit. Das Bett aufgebaut hat dann allerdings meine Sofa-und-Küchentisch- Freundin. Die kann so was einfach besser als ich. Tilmann Warnecke

Die schwarze Couch
Ja doch, Frauen sind großartig. Sie haben Geschmack. Werden in Kaufhäusern nie cholerisch. Können verschiedene Farbnuancen namentlich unterscheiden. Ich ging trotzdem mit meinem Kumpel Jörg ins Möbelhaus, ich wollte ja nur eine stinknormale Couch. Schwarz. Leder. Fertig. Jörg sagte: „Aber nicht so lange.“ So schlurften wir zu Ikea nach Spandau und setzten uns schweigend auf eine gelbe Sofagarnitur. Jörg fragte: „Und jetze?“ Einkaufen ist deprimierend. „Willste die?“ - „Nee.“ - „Die?“ - „Nee.“ Einkaufen ist auch total unlogisch. Ich kenne keinen anderen Ort, an dem man Stunden in beheizten Räumen herumläuft, ohne seinen Mantel abzulegen. Einkaufen ist was für Frauen. Denen ist oft kalt. „Guck mal“, sagt Jörg. „Und die da?“ - „Die mit dem roten Mantel?“ - „Nee, die Couch, die schwarze.“ Es gibt sie aus Plüsch. Aus Cord. In allen Farben. Zum Ausklappen. Mit Tisch. Oder eben nicht. Was die Mehrzahl von Couch ist, sagt einem niemand. „Die schwarze? Meinste echt?“ Da waren sechs Minuten rum. Wir sind aufgestanden, ich habe mit Karte bezahlt und bin mit Jörg ein Bier trinken gegangen. Jungs sind vielleicht nicht die engagiertesten Berater, sie quatschen aber auch nicht ständig dazwischen. Meine Freundin findet die Couch übrigens „ganz gut“. André Görke

Der Design-Schreibtisch
Als der Mann vom Lieferservice das Metallgestänge im Wohnzimmer ablegte, war ich mir sicher, dass es sich um eine Verwechslung handeln musste: Einen Wäscheständer hatten wir uns gerade erst angeschafft, und eine Fernsehantenne brauchten wir nicht, weil wir einen Kabelanschluss hatten und laut Mietvertrag die Anbringung terrestrischer Empfangsantennen – zumal von der Größe – nicht erlaubt war. Der Mann vom Lieferservice klärte mich auf: Das Gestänge sei der Unterbau eines Schreibtischs, ein Designklassiker von Egon Eiermann. Ich war überrascht. Mein Mann hatte sich das Teil offensichtlich ohne mein Wissen gekauft. Es war ästhetisch fragwürdig und zudem auch unpraktisch, wie sich herausstellte. Die Tischplatte lag lose auf dem Unterbau auf und verrutschte, wenn man sich an sie anlehnte. Das Metallgestänge war in sich mit Winkeln fixiert, an denen man mit der Kleidung hängen blieb. Trotzdem schloss ich bald meinen Frieden mit dem Stück, als ich während einer Umräumaktion den Fernseher auf dem Tisch abstellte. Das Bild erschien mir gleich viel klarer. Nana Heymann

Die ganze Wohnung
Ich hasse Einkaufen. Ich hasse Möbel- Einkaufen. Ich hasse Ikea. So war das zumindest vor meinem Umzug nach London. In meiner Zeit als Korrespondent dort habe ich Ikea lieben gelernt. Wer in einer der teuersten Städte der Welt eine horrende Miete zahlen muss, kann sich keine mondänen Möbel leisten. Außerdem richtet man sich als Auslandskorrespondent ohnehin nicht auf ewig ein. Endgültig bekehrt hat mich schließlich der ganzheitliche Ansatz der Schweden: Wer zu Ikea geht, muss nicht noch woanders beim Einkaufen leiden. Hier gibt es alles. Vom Esstisch über das Billyregal, die Teelöffel und die Yucca-Palme samt Übertopf bis zu dem praktischen Schraubenzieherset: Mein Londoner Hausstand war strictly Ikea („Aikia“, wie der Engländer sagt).   In der gefühlten Welthauptstadt der Diebe hatte das noch einen Vorteil: Beim obligatorischen Einbruch wurden meine Ikea-Sachen nicht angerührt. Halt, stopp, mit einer Ausnahme: Das Schraubenzieherset haben die Diebe mitgehen lassen. Markus Hesselmann

Das Sofa aus dem Fundus
Meine Mutter war die erste und letzte Frau, die mich eingekleidet und mein Zimmer eingerichtet hat. Da bin ich stolz drauf. Besonders auf die Tatsache, dass damit bereits in meinem 13. Lebensjahr endgültig Schluss war. In einer Kaufhaus-Kinderabteilung gerieten wir uns derart in die Haare, dass ich sie kurzerhand stehenließ. Danach war Ruhe und ich Herr über meine Garderobe.
Gleiches gilt für meine Einrichtung. Das Muttertrauma sitzt tief. Die Vorstellung, jemand anders meinen Lebensraum einrichten zu lassen, empfinde ich als einengend und bevormundend. Ich kann allen Männern nur Mut machen: Möbelkaufen ist gar nicht so schwer. Kürzlich brauchte ich ein neues Sofa. Das alte – selbst gekauft – war unpraktisch, die Kissen rutschten dauernd auseinander. Über den Theaterfundus fand ich eins. Altes braunes Holz, grüner Samt, Schnäppchen. Passt gut zum Eichenholzschreibtisch, dachte ich. Die Reaktionen: Meine Mutter findet es schick, meine Freundin sagt: „Passt zu Dir“ und sogar meine Ex, die gelegentlich die Hoffnung äußerte, ich würde mich irgendwann von meinen Weinkistenregalen trennen, tat ihre Anerkennung kund. Moritz Honert

Die Deckenlampe
Es gibt viele Gründe, einen drängenden Gang ins Möbelgeschäft aufzuschieben. Stress im Job, Laden zu weit weg, lange nicht beim Sport gewesen, schlecht geschlafen wegen Vollmond. So kam es, dass ich voriges Jahr vier Monate in einem Wohnzimmer ohne Deckenbeleuchtung lebte. Abends musste der Fernseher laufen, damit genug Licht im Raum war. Als ich dann doch hinfuhr, bereute ich es: Da waren runde, quadratische, ellipsen- und zylinderförmige, gebogene, steckende und hängende Leuchten, es gab welche aus Kunststoff, Aluminium, Kupfer, mit Doppelzug oder auf Stäbe aufgereiht. Ich bat den Verkäufer um Rat. Das sei letztlich eine Geschmacksfrage, sagte er. Deckenbeleuchtungsabteilungen sind die Hölle. Ich entschied mich für eine längliche weiße, wellenhaft geschwungene. Eine Zeit lang war ich zufrieden, bis Annette zu Besuch kam, meine kleine Schwester. Ich sei ja „putzig“, dass ich mit 30 plötzlich so ganz alleine losziehe und mir eine geschmacklose Lampe aussuche. Sicher, sie habe auch eine Phase der Möbelfehlkäufe gehabt. Da sei sie allerdings zwölf gewesen. Sebastian Leber

Das Regal
Möbel? Männersache! War schon in meiner Kindheit so. Samstags mit Papa in den Baumarkt fahren, sonntags an der Werkbank schrauben und schmirgeln, fräsen und flanschen, Schränke und Schreibtische bauen. Selbst ist der Mann! Mein Vater gab nicht viel darauf, ob ein Regal nun nach Bauhaus oder nach Barock aussah, ob es blau oder rot, retro oder futuristisch war – wichtig war einzig und allein, dass es passgenau und fugenlos die Zimmerwand ausfüllte, von links bis rechts und von unten bis oben.
Jedes Mal, wenn nach wochenlangem Werkeln eine unserer Maßanfertigungen endlich ihrem Verwendungszweck zugeführt war, wenn eine weitere Wand hinter Spanholzplatten und Fichtenfurnier verschwunden war, lief Papa selig mit der Wasserwaage die geleimten Kanten ab und sagte lächelnd den immer gleichen Satz: „Sitzt, wackelt und hat Platz.“ Mann, war ich stolz. Ob Mama unsere Kompositionen mochte, weiß ich nicht. Beschwert hat sie sich nie. Jens Mühling

Die weiche Matratze
Auch die tapfersten Do-it-yourself-Möbelbauer müssen mal ins Einrichtungshaus. Etwa wenn das Jugendbett auf Studentenbudenbreite erweitert wird und eine neue Matratze her muss. War eh Zeit für was Härteres, Sie wissen schon, der Rücken. Das Einrichtungshaus wirbt für seine Matratzen mit 25 Jahren Garantie. 25 Jahre! Keine Matratze hält 25 Jahre, fragen Sie Ihren Orthopäden. Meine hielt vier Wochen, dann ließ die Spannung nach. Das Einrichtungshaus gewährt drei Monate Rückgaberecht. Ich holte mir das nächstteurere Modell. Dann das nächste. Ich schlief das halbe Sortiment durch. Taugten alle nichts. Als ich mit der dritten zur Kasse ging, stand dort bereits die zweite wieder zum Verkauf, 50 Euro billiger, fast noch warm. Es ist übrigens ein Gerücht, dass harte Matratzen besser für den Rücken seien. Mein Orthopäde sagt: Jeder muss die Matratze finden, die für ihn gut ist. Braucht jemand eine 140er? Kolja Reichert

Der Fahnenmast
Ich deutete auf eine lange Stange, die im Garten lag und sagte: „Ist das der Fahnenmast?“ „Pssssst!“, rief die Freundin. Sie hofft, dass ihr Mann den vielleicht doch noch vergisst. Die beiden sind gerade umgezogen. Ihm war bei der Suche nach einem neuen Haus fast alles egal, außer, dass es einen schönen Platz geben möge, wo er den Fahnenmast errichten kann. An dem soll möglichst bald wieder die HSV-Fahne flattern. Das ist der Fußballklub aus Hamburg, und der Mann meiner Freundin ist Fan. Sie nicht, aber nicht nur deshalb leidet sie unter dem Mast. Im Garten ihres letzten Hauses stand der nämlich mitten auf dem Rasen, immer im Weg, alles andere musste um ihn herum geschehen. Man konnte nicht mal Fußball spielen. Sie hat beim Umzug kurz die Debatte um den Mast angefangen, aber auf Granit gebissen. Jetzt tröstet sie sich damit, dass er dafür innerhalb des Hauses keine Einrichtungswünsche vorbringe. Er akzeptiere auch ihre selbst gebastelten Nachttischlampenschirme. In weiß-blau-schwarz. Ariane Bemmer

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