Welt : „Zu zweit wäre alles noch schöner gewesen“

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Von Mirko Weber, München

Natürlich wäre das ein Bild geworden, und was für eines: die norwegische Prinzessin Mette-Marit neben dem deutschen Kanzlerkandidaten und die Gattin des Kanzlerkandidaten Stoiber neben dem Thronfolger Haakon – dreimal blond und einmal braun und das Ganze auch noch vor der Münchner Residenz. „Ach, ja“ seufzten die Wartenden vor dem Münchner Hotel „Mandarin Oriental“, die da standen, um wenigstens Haakon zu Gesicht zu bekommen. Und ganz kurz hatte das ja auch geklappt am Sonntagabend, als ein freundlich lächelnder, groß gewachsener Mann mit Bart ein Auto verließ und das Hotel betrat, die rechte Gesichtshälfte unnatürlich gerötet

Das „Schicksalsinterview“ – so nennen es die Norweger nur noch, jenes Gespräch vor laufenden Kameras mit Sandra Maischberger für ntv, bei der sich das Paar Verbrennungen durch Scheinwerfer und Sonnenlicht zugezogen haben soll. Prinzessin Mette-Marit habe dabei „bleibende Pigmentflecken im Gesicht und am Hals“ davon getragen, heißt es jetzt in Oslo. Im „Dagbladet“ ist sogar von „offenen Wunden“ die Rede. Deshalb ist Mette-Marit nicht dabei in Deutschland, und das betrübt ihre Fans vor dem Mandarin Oriental ganz außerordentlich. Für das Prinzenpaar sollte der Staatsbesuch – ihr erster überhaupt – die Gelegenheit sein, zu zeigen, dass sie mehr sind als strahlende Galionsfiguren monarchistischer Romantik. Sie hatten eine klare Mission: den Deutschen zu demonstrieren, dass Norwegen ein Land ist, das für Industrieprodukte steht und nicht nur für Wollpullover. Die beiden 28-Jährigen sind, wie ihre Sprecher erklären, das junge moderne Gesicht des nordischen Staates.

„Zu zweit wäre alles noch viel schöner gewesen“, soll der Prinz an diesem Tag in München irgendwo gesagt haben. Dennoch hat Haakon seine Mission programmgemäß erfüllt. Schlechte Sichtverhältnisse beeinträchtigten zwar die Flugvorführung in Manching, die Wirtschaftsminister Otto Wiesheu hatte arrangieren lassen, hinderten den Kronprinzen jedoch nicht, sich ausführlich im Cockpit eines Euro-Fighters umzuschauen. Auch der nachfolgende BMW-Test in Ismaning fand plangemäß statt. Als der Kronprinz auf das Gaspedal treten durfte, ließ er die höfliche Zurückhaltung sausen. Wäre die Ismaninger Teststrecke eine Gerade, hätte er wahrscheinlich 250 Stundenkilometer geschafft und beim BMW Z8 die Tachonadel angeschlagen. Das Jaulen seiner Reifen war im Oval ziemlich laut. „Das war interessant, das war lustig", sagte der 28-Jährige, als er mit rotem Gesicht aus dem 125 000-Euro-Cabrio stieg.

Zum Mittagessen auf der Praterinsel, zu dem unter anderen Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Prinz Etzel und Prinz Poldi von Bayern sowie Johann-Georg, Prinz von Hohenzollern geladen waren, bekam der Gast dann vertraute Speisen: Es gab – wie später noch im Feinkostgeschäft Dallmayr anlässlich der „Norwegischen Woche“ – Fisch aus der Heimat. Am Abend jedoch, beim Bankett in der Residenz, hatte eine einsichtsvolle Macht beschlossen, den Fisch endlich Fisch sein zu lassen. Edmund Stoiber ließ dem norwegischen Kronprinzen fränkischen Spargel servieren. (mit dpa)

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