Welt : Zuerst China – dann die ganze Welt?

Der erste Deutsche hat sich nachweislich mit Sars infiziert – Experten raten zur Wachsamkeit, warnen aber vor Panik

Hartmut Wewetzer

Der 72-Jährige aus Hattingen war in Asien unterwegs. In Hanoi und Singapur machte er Station. Dort muss es passiert sein: als erster Deutscher infizierte sich der Mann mit dem mutmaßlichen Erreger des schweren akuten respiratorischen Syndroms, besser bekannt als „Sars“. Aber mittlerweile haben die behandelnden Ärzte der Lungenklinik im sauerländischen Hemer Entwarnung gegeben. „Der Patient ist inzwischen fieber- und beschwerdefrei“, teilte die Klinik mit. Aber er liege noch auf der Intensivstation. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er vor seiner Aufnahme in die Klinik andere angesteckt habe.

Der Fall zeige, dass die Viruserkrankung überstanden werden könne und rechtzeitige Isolierung eine Ausbreitung verhindere, hieß es aus der Klinik. Wachsamkeit, aber keine Panik: Das ist auch die seuchenpolitische Linie, die das für Infektionskrankheiten zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin verfolgt. Es sei wichtig, dass Verdachtsfälle frühzeitig erkannt und rechtzeitig an die zuständigen Stellen gemeldet würden, „um eine Ausbreitung zu verhindern“, sagte Walter Haas, Infektionsepidemiologe beim RKI. Wichtig sei eine angemessene Berichterstattung in den Medien, „damit wir nicht auf Grund von Fehlermeldungen unsere Ressourcen überlasten. Wenn wir so vorgehen, dann denke ich, dass wir die Ausbreitung früh erkennen und stoppen können.“

Keine Epidemie in Deutschland

Von einer Epidemie in Deutschland könne man noch nicht sprechen, sagte Haas. „Zur Zeit haben wir fünf wahrscheinliche Sars-Erkrankungen und zwölf Verdachtsfälle“, teilte Susanne Glasmacher mit, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts. „Wir sind gut vorbereitet.“ Weltweit gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zurzeit 1640 Sars-Fälle und 62 Tote. Die Gefahr, an einer Sars-Infektion zu sterben, ist nach bisherigen Informationen nicht größer als durch andere Erreger von Lungenentzündungen, etwa das Grippevirus. Eher schon sind die Fachleute besorgt über das hohe Ansteckungsrisiko. Bisher nehmen die meisten Experten an, dass sich der Erreger über winzige Tröpfchen verbreitet. Beim Husten oder Niesen werden Mikroben freigesetzt, fliegen bis zu drei oder vier Meter weit und können Menschen in der Nähe infizieren. Eintrittspforte sind die Atemwege – Nase und Mund – und vermutlich auch die Bindehäute der Augen.

Aber es könnte noch einen zweiten Ausbreitungsweg geben. Denn in dem besonders betroffenen Apartmentblock E des Amoy Garden in Hongkong verbreitete sich der Erreger gleich über diverse Stockwerke, also vertikal. Jetzt rätseln die WHO-Fachleute, ob der Keim zum Beispiel über Lüftungsanlagen gestreut wird. Auch auf Oberflächen von Türklinken oder anderen Gegenständen kann sich der Keim wohl einige Stunden am Leben halten.

Durch die Luft übertragbar?

Trotz der steigenden Erkrankungszahlen in Ländern wie Kanada, China, Singapur und Vietnam warnen Auswärtiges Amt und WHO nicht vor Reisen in die betroffenen Länder. Für Gesunde besteht laut Auswärtigem Amt nur ein „wohl geringes Restrisiko“. Reisende in diese Länder sollten folgendes beachten:

Gesteigerte persönliche Hygiene, besonders auch Händewaschen.

Vermeiden von nahen Kontakten, etwa Menschenansammlungen, „Gesicht-zu-Gesicht“-Kontakten in Bussen oder Fahrstühlen. Zwei Schritte Abstand seien „sehr viel wert“. Atemschutzmasken seien hilfreich.

Gänzliches Vermeiden von Kontakten mit Erkrankten.

Kranke, besonders solche mit Husten oder Atemwegserkrankungen, sollten sich eine Reise in Sars-Gebiete genau überlegen, weil sie dort vielleicht unter Quarantäne gestellt werden. Ihnen rät das Auswärtige Amt ausdrücklich von der Reise ab.

Brisant ist die Lage besonders in Südchina und in Hongkong. Für China gibt es keine genauen Informationen über die Ausbreitung von Sars. Dagegen hofft die WHO, die Lage andernorts unter Kontrolle zu bekommen. Das sei in Vietnam, Singapur und im kanadischen Toronto bereits geglückt, sagte David Heyman von der WHO in Genf.

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