Welt : Zug rast in ein Bahnwärterhaus

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Messina (dpa). Ein Schnellzug ist auf Sizilien mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern entgleist und hat acht Menschen in den Tod gerissen. Der Zug Palermo-Venedig, in dem auch viele ausländische Touristen reisten, raste am Samstagabend in ein ehemaliges Bahnwärterhäuschen. 47 weitere Passagiere wurden nach einer Bilanz der italienischen Behörden verletzt, einige von ihnen schwer. Rettungsmannschaften berichteten von einem Bild des Grauens am Unfallort. Gewerkschaften machten am Sonntag Einsparungen und Personalabbau bei der Bahn verantwortlich.

Das Gebäude, in dem entgegen ersten Angaben zwei Familien wohnten, stürzte unter der Wucht des Aufpralls in Sekunden ein. Zahlreiche Passagiere wurden vom Mauerwerk in ihren Waggons eingeschlossen und mussten mühsam befreit werden. Die beiden Familien waren während des Unglücks außer Haus, berichtete die Polizei. „Der Zug raste wie eine Rakete in das Gebäude“, sagte ein Augenzeuge. Unter den Toten ist den Angaben zufolge auch eine 24-jährige Sizilianerin, die in Deutschland lebt und auf Heimatbesuch war. Ob unter den Verletzten auch Ausländer waren, gaben die Behörden zunächst nicht bekannt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Nachmittag, nach dem bisherigen Kenntnisstand seien keine Deutschen von dem Zugunglück betroffen. Es werde aber noch ermittelt.

„Ich spürte einen gewaltigen Stoß, dann brach das Chaos aus“, berichtete ein junger Passagier im Krankenhaus. „Die Leute schrien in ihren Abteilen und versuchten, aus den Zugfenstern zu klettern“, sagte ein Feuerwehrmann. Eingeschlossene Passagieren flehten per Handy bei den Behörden um Hilfe. Unglücksursache seien vermutlich Verschiebungen der Bahngleise oder eine defekte Weiche.

Die Eisenbahngesellschaft teilte mit, der Schnellzug „Freccia della Lagune“ sei langsamer gefahren, als es an der Unglücksstelle erlaubt gewesen sei. Menschliches Versagen sei auszuschließen. Unter den acht Toten sind der Lokführer sowie ein aus Marokko stammendes älteres Ehepaar, das in Sizilien lebt. Ihre beiden Enkeln konnten die Retter lebend aus den Trümmern bergen. Der Zug entgleiste um kurz vor 19 Uhr bei der Ortschaft Rometta Marea westlich von Messina. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig, weil sich das Unglück in schwer zugänglichem Gelände ereignete. Rettungsmannschaften setzten Hubschrauber ein, Anwohner unterstützen sie bei der Arbeit. Auch Soldaten beteiligten sich.

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