Zugunglück : Ausrangiertes Schienenstück ließ Intercity entgleisen

Der westlich von München verunglückte Intercity ist durch eine Panne bei Arbeiten neben der Bahnstrecke entgleist. Ein ausrangiertes Schienenstück, das abtransportiert werden sollte, war auf das Gleis gefallen.

Zugunglück Foto: ddp
Bahn-Mitarbeiter am Unglücksort. -Foto: ddp

GröbenzellEin rund zwölf Meter langes Eisenteil auf den Gleisen hat den am Dienstag verunglückten Intercity-Zug bei München aus der Spur gebracht. Einem Arbeiter sei das ausrangierte Schienenstück auf das Gleis gefallen, teilte die Bundespolizei in München mit. Der 28-Jährige konnte die Schiene nicht rechtzeitig wegziehen, als der Intercity mit fast 200 Stundenkilometern heranraste. Beim Aufprall hob es den Steuerwagen an der Spitze des Zuges aus den Gleisen, als sich das Schienenstück unter dem Wagen verkantete. Bei dem Unfall in voller Fahrt waren auf der Bahnstrecke München-Augsburg acht Menschen leicht bis mittelschwer verletzt worden, der Sachschaden wurde mit mehr als einer Million Euro angegeben.

Der Intercity 2298 mit rund 300 Fahrgästen an Bord kam in Gröbenzell westlich von München erst nach fast 1,6 Kilometer zum Stehen. Die Bundespolizei hatte von einem "Riesenglück" gesprochen, dass der Unfall relativ glimpflich abgelaufen sei. Die Bahnstrecke zwischen München und Augsburg ist mit Fern-, Regional- und Güterverkehr sowie der S-Bahn die meistbefahrene Bahnstrecke in Deutschland.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung

Neben dem Gleis waren nach Angaben der Bundespolizei mehrere ausrangierte, rund zwölf Meter lange Schienenstücke gelagert. Eine Entsorgungsfirma für Alteisen hatte von der Deutschen Bahn AG den Auftrag zum Abtransport erhalten. Dabei fiel dem 28 Jahre alten Fahrer eines Unimogs ein Schienenstück auf die Gleise. Die Bundespolizei ermittelt gegen ihn wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und wegen fahrlässiger Körperverletzung. Es wird auch geprüft, ob die Arbeiten in unmittelbarer Nähe der Bahnstrecke in dieser Form überhaupt zulässig beziehungsweise ausreichend abgesichert waren.

Der Fahrgast-Bundesverband Pro Bahn forderte Aufklärung, ob die Bahn die Fremdfirma bei der Auftragsvergabe richtig eingewiesen habe. Gegen Aufträge an externe Firmen durch die Bahn sei grundsätzlich nichts einzuwenden, sagte Pro-Bahn-Sprecher Hartmut Buyken. Dies dürfe aber nicht zu Lasten der Fahrgast-Sicherheit gehen.

Auf der Strecke München-Augsburg wird es wegen der nötigen Gleisreparaturen noch bis kommenden Montag zu Behinderungen kommen, wie Bahn-Sprecherin Bianca Piechaczek mitteilte. (mit dpa)

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