Zugunglück : Intercity entgleist bei Tempo 200 - acht Verletzte

Auf der Bahnstrecke München-Augsburg ist ein Intercity mit etwa 300 Menschen an Bord aus den Schienen gesprungen. Dabei wurden acht Menschen verletzt.

Zugunglück
Bahn-Mitarbeiter am Unglücksort. -Foto: ddp

GröbenzellEtwa 300 Passagiere eines Intercity-Zuges sind in Gröbenzell bei München möglicherweise nur knapp einer Katastrophe entgangen. Acht Menschen wurden nach Angaben der Bundespolizei verletzt. Unter den leicht Verletzten sei eine schwangere Frau, die einen Schock erlitten habe. Ein Sprecher der Polizei nannte es ein "Riesenglück", dass es nur so wenige Verletzte gab. Die Deutsche Bahn AG bezifferte den Sachschaden auf mehr als eine Million Euro.

Bei einem Tempo von fast 200 Stundenkilometern entgleiste der Steuerwagen an der Spitze des Zuges, weil ein Gegenstand auf den Gleisen lag. Dabei sei der Wagen auch leicht zur Seite gekippt. Die Waggons seien auf den Schienen geblieben. Der Zug kam erst nach mehr als einem Kilometer zum Stehen. Alles sehe nach einem Unfall aus, aber man ermittele in alle Richtungen und schließe auch einen Anschlag nicht aus, hieß es bei der Bundespolizei. Deshalb wurde aus ermittlungstaktischen Gründen auch nicht mitgeteilt, um was für einen Gegenstand es sich handelte, der auf den Gleisen lag. In ersten Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern war ein möglicher Zusammenhang mit Bauarbeiten an der Bahnstrecke genannt worden.

Da die Strecke für Stunden gesperrt werden musste, kam es zu massiven Verspätungen. So musste die S-Bahn durch Busse ersetzt werden. Das betroffene Gleis soll noch ein bis zwei Wochen gesperrt bleiben. Insgesamt liegen in dem Bereich vier Gleise, zwei für die S-Bahn und zwei für den Fernverkehr.

Der IC 2298 war von Salzburg nach Frankfurt am Main unterwegs. Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Bundespolizei um 12.25 Uhr auf der Strecke zwischen München und Augsburg. Diese ist mit Fern-, Regional- und Güterverkehr sowie der S-Bahn die meistbefahrene Bahnstrecke in Deutschland. Sie wird im Abschnitt bei Gröbenzell nordwestlich von München mit bis zu 200 Stundenkilometern befahren. Ein Notfallmanager der Bahn habe von einem Tempo von 197 Stundenkilometern gesprochen, die Auswertung des Fahrtenschreibers werde dazu Gewissheit bringen, sagte Bundespolizei-Sprecher Thomas Borowik. Die Bundespolizei ist für Bahnunfälle zuständig.

Drei mittelschwer und fünf leicht Verletzte

Das ganze Ausmaß des Vorfalls und das hohe Gefahrenpotenzial wurde erst am frühen Abend deutlich, als das gefahrene Tempo des Zuges bekannt wurde. In ersten Informationen war nur von zwei Verletzten die Rede gewesen. Tatsächlich seien aber fünf Menschen leicht und drei mittelschwer verletzt worden, berichtete die Bundespolizei.

Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus gebracht. Darunter befanden sich auch eine Schwangere und der Lokführer, die wegen eines Schocks behandelt wurden. Auch ein weiterer Fahrgast erlitt einen so großen Schrecken, dass er mit einem Verdacht auf einen Herzinfarkt in die Klinik gebracht wurde.

Die übrigen Reisenden wurden mit Bussen nach Augsburg gebracht, von dort konnten sie ihre Reise fortsetzen. Die Bahnstrecke München-Augsburg war drei Stunden lang völlig blockiert. Die Züge des Regional- und Fernverkehrs wurden über den Münchner Rangierbahnhof umgeleitet.

Für die Bergung des Zuges wurde nach Bahn-Angaben ein Spezialkran angefordert. Nach dem Abtransport des Zuges sollte noch am Abend mit den Reparaturarbeiten an dem Unfallgleis begonnen werden. Rund 1,5 Kilometer Gleis und rund 2500 Schwellen müssten ausgetauscht werden, berichtete die Bahn. Auch in den kommenden Tagen werde es zu Behinderungen und Verspätungen auf der Strecke München-Augsburg kommen. (mit AFP/dpa)

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