Welt : Zukunft: Außerirdisch

London/München (dpa).

London/München (dpa). Die Menschheit wird nach Ansicht des britischen Physikers Stephen Hawking (59) das nächste Jahrtausend nicht mehr erleben, wenn sie nicht Kolonien im Weltraum besiedelt. In einem Interview mit der britischen Zeitung "The Daily Telegraph" sagte der Wissenschaftler, er fürchte, dass die Menschheit ein Virus erfinden werde, mit dem sie sich selbst umbringt.

"Obwohl der 11. September schrecklich war, bedroht er doch nicht die Menschheit beispielsweise so wie Nuklearwaffen. Aber auf lange Sicht bin ich über die Biologie mehr beunruhigt. Nukleare Waffen benötigen große Anlagen, aber Gentechnik kann in einem kleinen Labor stattfinden. Man kann nicht jedes Labor der Welt kontrollieren."

Hawking, unter anderem durch das Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" weltweit bekannt geworden, sagte: "Die Gefahr besteht darin, dass wir entweder versehentlich oder absichtlich ein Virus schaffen, das uns zerstört. Ich glaube nicht, dass die Menschheit die nächsten 1000 Jahre überleben wird, wenn wir uns nicht in den Weltraum ausbreiten. Es gibt zu viele Unfälle, die das Leben auf einem einzelnen Planeten bedrohen."

Bei der weltweit einzigen von ihm begleiteten Präsentation seines neuen Buches "Das Universum in der Nußschale" in München zeigte sich Hawking am Dienstag gelassen und humorvoll. Mit einem Aufleuchten der Augen im sonst stillen Gesicht nahm er das Blitzlichtgewitter der vielen Dutzend Fotografen und den Beifall der Gäste zur Kenntnis. Den schmächtigen Körper in seinen "elektrischen Lehrstuhl" geschmiegt, bediente der gelähmte Physiker mit seinen Fingerspitzen einen Sprachcomputer, der aus Satzgruppen, Wörtern und Buchstaben zusammengefügte Aussagen Hawkings in ein Mikrofon schnarrte.

Hawking hofft auf ein "Lächeln Gottes" über seine Bücher. "Ich wäre in großer Not, wenn dem nicht so wäre", sagte er. Bald, also noch in diesem Jahrhundert, werde eine allumspannende Weltformel entdeckt werden, verkündete Hawking. "Ich bin da Optimist." Ein vielversprechender Ansatz sei die so genannte M- Theorie, ein Netzwerk verschiedener Theorien, die teilweise mehr als die bislang bekannten vier Raumzeitdimensionen beschrieben. Zudem gebe es mittlerweile Hinweise, dass sich das Universum nicht wie bislang gedacht nach der derzeitigen Ausdehnungsphase wieder zusammenziehen werde. Es sei möglich, dass sich die Expansion ewig fortsetze und dabei immer schneller werde, erklärte der Physiker dem staunenden Publikum.

Von seiner Frau, einer Krankenschwester und einem wissenschaftlichen Assistenten begleitet war Hawking am Montagabend in der bayerischen Landeshauptstadt angekommen. "Deutschland hat ihn interessiert", begründete eine Sprecherin des Verlags Hoffmann und Campe den Besuch. Hawking habe bei seinem bis zu diesem Donnerstag dauernden Aufenthalt Sightseeing-Touren und Museumsbesuche in München geplant.

Auch bei der Buchpräsentation zeigte Hawking Interesse an seiner Umgebung. Nach der Beantwortung einiger vorgefertigter Fragen ließ er über seinen Sprachcomputer wissen, dass er lieber Fragen aus dem Publikum beantworten wolle. Einige aufgeregte Gäste erhielten daraufhin die Gelegenheit, sich ihre Fragen zur theoretischen Astrophysik beantworten zu lassen.

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