Zum Tod von James Last : Der König aller Partykeller

James Last hat mit seiner Happy Music zur Entkrampfung der Bundesrepublik beigetragen. Nun ist er gestorben. Ein Nachruf.

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Seine Bühne. James Last verneigt sich im April diesen Jahres während seiner Abschiedstournee in der Berliner O2-World ein letztes Mal vor dem Publikum. Foto: DAVIDS
Seine Bühne. James Last verneigt sich im April diesen Jahres während seiner Abschiedstournee in der Berliner O2-World ein letztes...Foto: DAVIDS

Superlative mochte er nicht. James Last hat 80 Millionen Platten verkauft, mehr als jeder andere Bandleader der Welt. Trotzdem wehrte er sich dagegen ein „Star“ genannt zu werden. „Ich bin ein Musiker“, so stellte er sich im Gespräch gerne vor. Stars, das waren die anderen. Leute wie Stevie Wonder, Abba, Nirvana, Mozart oder Beethoven, deren Stücke er coverte. Und wenn Last die Titel aussuchte, die er arrangieren und aufnehmen wollte, dann hat er, so versicherte er, nie auf Zielgruppen geschielt. „Ich habe immer nur die Musik gespielt, die mir selbst gefällt. Die Band und ich haben Spaß daran, das merken die Leute.“

James Last, der jetzt im Alter von 86 Jahren in Florida gestorben ist, hat sich stets als Dienstleister verstanden. Wobei die Kunst darin bestand, sowohl der Musik, als auch den Zuhörern gerecht zu werden. Seinen Job hat er so beschrieben: „Übersetzen. Das Publikum reinziehen in die Musik.“ Das hat Last mehr als ein halbes Jahrhundert lang getan, von der Adenauerära bis in die dritte Legislaturperiode von Angela Merkel hinein. Weil sich die Deutschen – und nicht nur sie, besonders viele Fans hatte er in England – bereitwillig reinziehen ließen in seine Musik, stieg Last zu einem Markenzeichen auf, zu einer Art VW Käfer des Unterhaltungsgewerbes – verlässlich gut und immer unterwegs.

Zum ersten Mal hatte sich James Last in den 90er Jahren mit einer Abschiedstournee von der Bühne verabschiedet. Um anschließend noch mal eine Konzertreise zu beginnen und noch mal und noch mal. Er war ein Süchtiger, süchtig nach der Zuneigung seines Publikums, und süchtig nach der Musik. Seine nun wirklich allerletzte Abschiedsrunde, betitelt „The Last Tour“, führte ihn im April diesen Jahres zum wiederholten Mal in die Berliner O2-World. „Einfach ein sehr großer Laden“, sagte er über die etwas unwirtliche Halle. „Mal sehen, ob wir den voll bekommen. Ich verspreche aber, die Stimmung wird gut sein.“

James Last: Für immer gute Laune
James Last am Klavier. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dpa
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Elf Alben pro Jahr

Die Idee, die den Sohn eines Gasablesers zum erfolgreichsten Bandleader der Welt machte, war so schlicht wie genial: die Potpourrisierung des Pop. Als die Tanzorchester auszusterben beginnen, ist er der Erste, der die Hits der Beatles, von Cliff Richards oder den Byrds für eine Instrumentalformation arrangiert. 1965 erscheint sein erstes „Non Stop Dancing“-Album, bei dem die Titel, unterlegt mit Partygeräuschen, nahtlos ineinander übergehen. Es sind muffige Zeiten, und Last trägt zur Entkrampfung bei, indem er seine Musiker aktuelle Hits nachspielen und zwischendurch singen, tanzen und klatschen lässt.

„Ich habe nichts anderes gemacht, als die Musik der Teenager instrumental zu spielen, und plötzlich war sie dann auch für die Eltern akzeptabel und wurde kauft.“ Auf dem Höhepunkt seiner Produktivität veröffentlicht Last bis zu elf Alben pro Jahr, er legt immer neue Serien von Platten auf, die „Classics up to date“, „Trumpet à gogo“, „Happy Beach Party“ oder „Käpt’n James bittet zum Tanz“ heißen. „Während in der einen Halle die Streicher für eine Classics-LP am Werk waren, probte in einem anderen Studio der Chor für ein neues Beach-Party-Album, wieder ein Eck weiter wurde die aktuellste „Non Stop Dancing“ gemischt. Ich war so mit Arbeit eingedeckt, dass ich kaum Zeit hatte, meine ständig wachsende Popularität wahrzunehmen.“

Von "Hans" zu "James"

1929 in Bremen als Hans Last geboren, hatte der spätere Happy-Music-Gott sich bereits früh für Jazz begeistert. Er beginnt eine Ausbildung an der Heeresmusikschule Bückeburg und hat das Glück, bei Kriegsende nicht an die Front, sondern nach Hause geschickt zu werden. Von Auftritten in amerikanischen Army-Clubs spielt er sich zu einem Engagement als Bassist im Tanzorchester von Radio Bremen hoch, wechselt zum NWDR nach Hamburg, wird mehrmals zum deutschen „Jazz-Bassisten des Jahres“ gewählt. Wirtschaftswunderjahre. Last tourt mit dem Geiger Helmut Zacharias durch Europa, komponiert für Freddy Quinn, Caterina Valente und Peter Alexander.

Aber das ist ihm nicht genug. „Ich wollte nicht den Rest meines Lebens in dermaßen vorhersehbaren Bahnen verbringen und der Mann im Hintergrund sein, der sich für andere die Finger wund schrieb“, sagte er. Deshalb lässt sich der Bassist beim Sender beurlauben und unterzeichnet einen Vertrag bei der Plattenfirma Polydor, die einen Nachfolger für den glücklosen Bigbandleader Bert Kaempfert sucht. Das Label verpasst Last einen neuen Vornamen: James. „Sie sagten, das klingt international. Witzigerweise riefen die Engländer mich später Hansi, und die Deutschen nannten mich James.“

Elvis hat James Lasts Ballade „Fool“ gesungen, Quentin Tarantino nahm sein Panflötenstück „The Lonely Shepherd“ in den Soundtrack des Films „Kill Bill“. Ein Hipster ist Last bis zuletzt geblieben. Die Rapper von Fettes Brot haben ihn in Florida besucht und mit dem Song „Ruf mich an“ ein Denkmal gesetzt: „Ihr seid so nervös, ich bin locker und gelöst.“ Auch in Amerika hatte James Last immer etwas zu tun, zum Golfen kam er kaum.

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