Zurück in Somalia : "Verrückte deutsche Segler"

Die Ex-Geiseln Jürgen Kantner und seine Frau Sabine Merz wollen in Somalia ihr Boot holen. Die Einheimischen reagieren mit Unverständnis.

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„Sie denken, ich sei wahnsinnig.“ Jürgen Kantner (l.), Sabine Merz (r.). Foto: dpa

Berlin/Berbera - Für die Menschen in der somalischen Hafenstadt Berbera ist Jürgen Kantner der „verrückte deutsche Segler“. „Sie denken, ich sei wahnsinnig“, sagt der 62-Jährige mit der wilden weißen Mähne. „Sie verstehen einfach nicht, was mein Boot für mich bedeutet.“ Vor knapp einem Jahr waren Kantner und seine Frau Sabine Merz schon einmal in Somalia – unfreiwillig, als Geiseln brutaler Piraten. 52 Tage lang behielten die Seeräuber die Deutschen im Hinterland in ihrer Gewalt. „Das war die schlimmste Erfahrung meines Lebens, sie schüchterten uns andauernd ein“, sagt Kantner über die Entführung. Angeblich flossen 600 000 Dollar (445 000 Euro) Lösegeld, bevor das Paar im August 2008 wieder freikam. Dennoch sind Kantner und Merz jetzt nach Somaliland, die international nicht anerkannte Republik im Norden Somalias, zurückgekehrt. Sie wollen ihre Jacht, die „Rockall“, zurückholen.

„Mein Boot ist mein Leben und ich will es nicht verlieren, Piraten und Regierungen kümmern mich nicht“, sagt Kantner im Hafen von Berbera, wo er das Schiff zu reparieren versucht. „Die deutschen Beamten ärgern sich, dass ich hier bin“, sagt er. Einem Reporter der in Abu Dhabi erscheinenden Zeitung „The Nation“ sagte die ehemalige Geisel, er sei enttäuscht über die Hilfe der deutschen Behörden während der Entführung. Wochenlang sei nichts passiert. Und für den Flug von Puntland nach Nairobi, auf dem Weg zurück nach Deutschland, hätten sie eine Rechnung über 26 000 Dollar bekommen, klagt er.

„Zu Hause habe ich keine Freunde mehr“, sagt er. „Alles, was ich besitze, ist auf meinem Boot. Segeln – so möchte ich leben und sterben“, sagt Kantner. Von Berbera aus will er das Boot, wenn es denn wieder seetüchtig ist, durch den Golf von Aden in Richtung Asien bis nach Malaysia segeln. Ein Plan, von dem ihm das Auswärtige Amt dringend abrät. Ein Sprecher sagte dem Tagesspiegel: „Es gilt eine eindeutige Reisewarnung, und wir können nur allen Deutschen dringend raten, sich daran zu halten.“ Auch Kantner ist bewusst, dass der Golf von Aden derzeit das weltweit wohl gefährlichste Gebiet für Seeleute ist. „Es ist ein bisschen wie Selbstmord“, sagt er trocken. „Ich hoffe wirklich, dass die Piraten mich diesmal nicht kriegen, denn diesmal wird niemand für mich zahlen und alle werden den Piraten sagen: ,Behaltet ihn!‘“ deh/AFP

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