Zwei Maschinen durchgestartet : Flughafen Zürich: Unheimliche Annäherung

Zürich Airport – wenige sind so schwierig anzufliegen. Maschinen aus Berlin mussten durchstarten.

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Start- und Landebahnen kreuzen sich. Als einer der wenigen Flughäfen der Welt hat Zürich die Bahnen nicht parallel angelegt, sondern gekreuzt.
Start- und Landebahnen kreuzen sich. Als einer der wenigen Flughäfen der Welt hat Zürich die Bahnen nicht parallel angelegt,...Foto: Rainer W. During

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hat am Montag eine aus Berlin-Tegel kommende Maschine der Air Berlin den Landeanflug auf den Flughafen Zürich abbrechen und durchstarten müssen. Eine Gefahr für die Passagiere hat in beiden Fällen nicht bestanden. In Zürich hatte es, wie berichtet, in den vergangenen Jahren eine Häufung gefährlicher Zwischenfälle gegeben.

Am Montagvormittag musste Flug AB 8588 auf Anweisung der Zürcher Fluglotsen durchstarten und konnte nach einer Platzrunde dann sicher landen, bestätigte eine Sprecherin der Fluggesellschaft. Die Landebahn 14 sei noch durch ein anderes Flugzeug blockiert gewesen, sagte Maude Rivière von der Schweizer Flugsicherung Skyguide dem Tagesspiegel auf Anfrage.

Bereits am Abend des 5. Januar hatte Flug AB 8210 den Landeanflug abbrechen müssen. In diesem Fall waren Turbulenzen die Ursache, die durch die sogenannten Wirbelschleppen einer vorausfliegenden Maschine hervorgerufen wurden, sagte Rivière.

Man habe keine außergewöhnliche Zunahme solcher Durchstartmanöver feststellen können, sagte die Skyguide-Sprecherin. Lediglich Ende des vergangenen und Anfang dieses Jahres habe es eine Häufung aufgrund von Stürmen gegeben. Ein Problem sei in Zürich, dass die Flugzeuge relativ hoch anfliegen und erst spät mit dem Sinkflug beginnen, sagte der Sprecher der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerk. Dies habe zur Folge, dass man die Geschwindigkeit erst relativ spät zurücknehmen könne und so der Abstand zur vorausfliegenden Maschine manchmal zu gering werde.

„Aufgrund der hohen Verkehrsdichte kann es ab und zu vorkommen, dass ein Pilot erst später als erwünscht mit dem Sinkflug beginnen kann“, erklärte dazu Maud Rivière. Die Flugleiter seien jedoch geschult, den Maschinen auch in solchen Fällen genügend Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen, um die Geschwindigkeit bis zum Endanflugspunkt auf das erforderliche Maß zu reduzieren. Wenn das in Ausnahmefällen nicht gelinge, sei in der Regel nicht die Distanz zur vorausfliegenden Maschine das Problem. Vielmehr würden die Piloten wegen des zu hohen Tempos dann von sich aus ein Durchstartmanöver einleiten. Solche Manöver erfordern in Zürich besondere Aufmerksamkeit. Der dortige Airport ist einer der wenigen Flugplätze auf der Welt, die noch über ein System sich kreuzender Start- und Landebahnen verfügen. Wie berichtet, konnte am 15. März 2011 der Pilot eines Airbus A320 der Swiss nur durch eine Notbremsung die Kollision mit einem anderen Jet verhindern, der zeitgleich auf der Querbahn startete. Seit 2002 hatte es insgesamt sieben derartige Zwischenfälle in Zürich gegeben.

Bei dem Vorfall im März hatten zusätzlich stattfindende Vermessungsflüge offenbar die Aufmerksamkeit des verantwortlichen Fluglotsen beeinträchtigt. Diese durften aus Lärmschutzgründen nur bei Tage während des laufenden Betriebs stattfinden. Als Konsequenz wurde angeordnet, diese jetzt wieder nachts durchzuführen.

Das Pistenkreuz stelle hohe Anforderungen an das Kollisionswarnsystem, das Zürich als einer der ersten europäischen Flughäfen bereits 2010 eingeführt habe, sagte Maud Rivière dem Tagesspiegel. An dessen weiterer Optimierung werde gearbeitet. Ferner prüft man die Installation von Warnlampen. Inzwischen hat Skyguide eine Sicherheitsanalyse durchgeführt. Verschiedene Verbesserungsmöglichkeiten, die das Gesamtsystem betreffen, werden derzeit mit dem Flughafen und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) diskutiert, sagte die Sprecherin. Konkrete Entscheidungen sollen voraussichtlich noch in der ersten Hälfte dieses Jahres getroffen werden.

Verbesserungen könnte auch die sich abzeichnende Einigung im Fluglärmstreit mit Deutschland bringen. Weil 90 Prozent der Anflüge über den Schwarzwald erfolgten, hat die Bundesregierung 2003 die Zahl der Überflüge begrenzt und nachts völlig verboten. Seitdem kann die Piste 14 als einzige kreuzungsfreie Landebahn nur noch eingeschränkt genutzt werden. Am vergangenen Sonnabend haben Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Bundesrätin Doris Leuthard eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Danach soll bis zum Sommer ein neuer Luftverkehrsstaatsvertrag geschlossen werden.

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