Welt : Zweifel an Sicherheit der Plutonium-Behälter

Australien hatte wegen der abstürzenden Mars-Sonde die Streitkräfte mobilisiert Moskau/Canberra(Tsp).Die russische Raumsonde der Mission "Mars 96" ist am Montag nach 28stündigem Irrflug in den Pazifik gestürzt.Stundenlang waren die Bewohner an der Ostküste Australiens im Ungewissen: Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob Teile mit 270 Gramm hochgiftigem Plutonium dort aufprallen würden.Die tatsächliche Absturzstelle lag dann in der Nähe der chilenischen Osterinseln, 1300 Kilometer westlich von Südamerika. "Es besteht keine Gefahr, daß die Plutoniumbehälter zerstört werden können", sagte noch einmal der stellvertretende Direktor der russischen Raumfahrtagentur, Juri Milow, in Moskau.Experten halten es für unwahrscheinlich, daß die etwa filmdosengroßen Behälter mit Plutonium beim Eintritt in die Erdatmosphäre oder beim Aufprall ins Meer zerstört wurden.Sie jemals wiederzufinden, ist jedoch praktisch ausgeschlossen, da das Meer an der Absturzstelle mehr als 6000 Meter tief ist. Kritiker bezweifeln jedoch die Sicherheit der Kapseln und warnen vor einer Gefährdung durch das Plutonium.Nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Agentur für Raumfahrt (Dara) war bis zum Montag nachmittag noch nicht endgültig klar, ob die ganze Marssonde in Einzelteilen in den Südpazifik gestürzt war, "oder ob da oben noch irgendwelche Teile rumfliegen".Aus Rußland sei dazu noch keine definitive Information gekommen.Nach Angaben von Wolfgang Hillebrandt, Astrophysiker am Max-Planck-Institut in Garching bei München, ist der Absturz eines plutoniumhaltigen Himmelskörpers kein Einzelfall.Auch die niedrigfliegenden russischen Spionagesatelliten seien mit ähnlichen Antriebssystemen ausgestattet.Da diese eine Lebensdauer von nur rund einem Jahr hätten, würden einige solcher Satelliten pro Jahr zur Erde stürzen.Es gebe allerdings keine verläßlichen Informationen darüber, wo sie aufschlügen und was mit den Plutoniumbehältern geschehe.Dies finde offenbar auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion statt und werde geheimgehalten.Auch die Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) wies auf frühere fehlgeschlagene russische und amerikanische Raumflüge hin, bei denen Plutonium das Meer, die Erde oder die Atmosphäre verseucht habe.IPPNW wies daraufhin, daß die australische Regierung den offiziellen Entwarnungen zum Trotz Streitkräfte und Rettungsteams in Alarmbereitschaft versetzt hatte.Offenbar hätten die Behörden eine radioaktive Verseuchung befürchtet, die bei einer Freisetzung des Plutoniums zu erwarten sei.Nach Angaben der bündnisgrünen Bundestagsabgeordneten Simone Probst würde eine Verteilung des Plutoniums in der Atmosphäre zu einer Langzeitgefährdung führen, da sich das Gift langsam um die Erde verteilen und zu Todesfällen führen würde.Probst forderte, alle Weltraummissionen, die auf Plutonium-Energieversorgung setzten, müßten ausgesetzt werden, besonders die sogenannte Cassini-Mission, bei der mehr als hundert Mal soviel Plutonium eingeplant sei als bei der abgestürzten russischen Sonde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar