Welt : Zweites Glas vergifteter Marmelade entdeckt

Fünf Leute haben davon gegessen, aber wegen der geringen Menge keine gesundheitlichen Schäden davongetragen LÜBECK (dpa).Im Zusammenhang mit der Erpressung des Marmeldadenherstellers "Schwartauer Werke" ist am Donnerstag ein zweites Glas vergifteter Marmelade entdeckt worden.Das Glas Erdbeermarmelade sei am Donnerstag bei der Polizei in Neustadt (Schleswig-Holstein) abgegeben worden, erklärte ein Sprecher der Lübecker Polizei am Donnerstag vor der Presse. Auf der Innenseite des Deckels habe wie bei dem ersten Glas ein Zettel mit der Warnung "Vorsicht Gift" geklebt.Die Konfitüre sei mit dem Wirkstoff "Warfarin" vergiftet gewesen.Von dem Brotaufstrich haben nach Aussage des Sprechers fünf Leute gegessen, wegen der geringen Menge allerdings keine gesundheitlichen Schäden davongetragen.Das Glas war am 15.Dezember in Neustadt gekauft worden.Am Mittwoch war, wie berichtet, erstmals ein Glas "Schwartau Extra"-Konfitüre mit vergifteten Inhalt aufgetaucht.Eine Frau hatte das mit einem Arzneimittel präparierte Glas bei der Polizei in Hamburg abgegeben. Der Lebensmittelkonzern aus Bad Schwartau bei Lübeck wird laut Polizei seit mindestens einer Woche erpreßt.Zur Höhe der Summe, die der oder die Erpresser fordern, verlautete lediglich, es handele sich eine "größere Geldsumme". Boom für VersicherungenDie spektakulären Erpressungen von Lebensmittel-Herstellern und Supermärkten in diesem Jahr haben Versicherungen einen Boom beschert.Immer mehr Firmen wollen sich gegen die immensen Umsatzeinbußen schützen.Marktführer bei Produktversicherungen in der Bundesrepublik ist Hiscox Syndicates Ltd."Unser Neugeschäft ist in diesem Jahr um rund 60 Prozent gestiegen", sagte Deutschland-Repräsentant Peter Bensmann am Donnerstag.In keinem anderen Land gibt es so viele Produkterpressungen: 176 Fälle registrierte das Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr, drei jede Woche."Dieses Jahr sind es noch mehr", sagte Bensmann. Hiscox arbeitet mit der Beratungsfirma Control Risks, die mit dem Kunden zusammen das richtige Verhalten in Planspielen trainiert und ein Krisenhandbuch erarbeitet.Darin ist das Vorgehen für jeden denkbaren Erpressungsfall minutiös dargelegt: Welche Informationsketten im Haus zu starten sind, ob Auslieferungen gestoppt werden müssen, wie Handelspartner und Behörden zu unterrichten sind und wann die Öffentlichkeit. Das Unternehmen muß die Polizei nicht nur laut Gesetz, sondern auch laut Versicherungsvertrag in jedem Fall alarmieren."Wenn Sie die Polizei nicht einschalten und ein Verbraucher kommt später zu Schaden, hat das Unternehmen einen fürchterlichen Erklärungsnotstand", sagte Bensmann. Das geforderte Lösegeld stillschweigend sofort zu zahlen, sei in der Regel nicht sinnvoll. Es koste zwar nur einen Bruchteil der zu befürchtenden wirtschaftlichen Einbußen, aber die Forderungen könnten steigen, Nachahmungstäter würden ermutigt, und wenn die Zahlung bekanntwerde, sei die Außenwirkung schlecht. Versicherungen wie Hiscox stehen für die finanziellen Folgen einer Erpressung gerade.Sie zahlen die zusätzlichen Personalkosten, das Ausräumen der Regale, die chemischen Analysen der Waren, den Transport und die Entsorgung."Man kann ja nicht jede Dose aufmachen und überprüfen.Der Bestand wird komplett vernichtet", erkärte Bensmann.Das Unternehmen bekommt die Herstellungskosten und bei Umsatzeinbußen die Differenz zum Vorjahr ersetzt.Ein Viertel der Versicherungssumme steht für die Verkaufsförderung nach dem Ende der Krise bereit."Wir decken bis zu 300 Millionen Mark je Schadensfall. Diese Summe genügt in Deutschland auch", sagte Bensmann.Nur Lösegeldzahlungen ersetzen Versicherungen hierzulande nicht - das verbietet ihnen eindeutig das Gesetz.

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