• Zwischen Artenvielfalt und Plastikmüll: Eine Ökokriegerin kämpft in Indonesien für die Korallen

Zwischen Artenvielfalt und Plastikmüll : Eine Ökokriegerin kämpft in Indonesien für die Korallen

Auf der Insel Gili Trawangan nennen sie sie die Ökokriegerin: Wie die Bio-Aktivistin Delphine Robbe versucht, den Artenreichtum in Indonesien zu schützen.

Barbara Barkhausen
Durch versenkte Stahlgerüste fließt leichter Strom. Das hilft den Korallen.
Durch versenkte Stahlgerüste fließt leichter Strom. Das hilft den Korallen.Foto: Delphine Robbe/Promo

Unter ihrem Skype-Konto steht das Motto: „Die Erde lebt. Sei nicht pessimistisch, sei ein Ökokrieger.“ Ökokriegerin – so nennen auch die Einheimischen von Gili Trawangan Delphine Robbe, wenn sie über sie sprechen. Die französische Ingenieurin, Jahrgang 1978, lebt seit 15 Jahren auf der kleinen indonesischen Insel, die zwischen Bali und der Nordwestküste von Lombok liegt.

Über Jahre war Gili Trawangan ein unberührtes Paradies. Doch diese Zeiten sind lange vorüber. Indonesien ist nach China der zweitgrößte Produzent von Müll im Ozean. Die Weltbank schätzt, dass jeder der 250 Millionen Indonesier pro Jahr für 0,8 bis ein Kilo Plastikmüll im Meer verantwortlich ist. Auch Gili Trawangan leidet unter der Verschmutzung.

Bis Plastik im Meer sich auflöst, vergehen Hunderte Jahre

Doch Indonesien ist nicht nur der zweitgrößte Verschmutzer der Meere. Es ist auch das Land, das sich derzeit noch mit dem größten Artenreichtum im Meer brüsten kann. Im berühmten Korallendreieck Südostasiens und Ozeaniens ernährt die Fischwelt mehr als 130 Millionen Menschen. Sterben die Riffe, die das Zuhause unzähliger Fischarten sind, wäre auch der wirtschaftliche Schaden immens.

Fische und Korallen leiden aber nicht nur durch das Plastik, das im Meer landet und dort in immer kleinere Teile zerfällt, aber ohne sich zu zersetzten. Bis Plastik im Meer sich auflöst, vergehen Hunderte Jahre. Auch Fischer zerstören die Vielfalt der indonesischen Korallenriffe durch den Einsatz von Dynamit.

Vor 15 Jahren kam die Französin Delphine Robbe nach Gili Trawangan.
Vor 15 Jahren kam die Französin Delphine Robbe nach Gili Trawangan.Foto: Delphine Robbe/Promo

Erhöhte Meerestemperaturen bedingt durch den Klimawandel und den starken El Niño haben zuletzt 2016 eine Spur der Verwüstung hinterlassen. „Viele der seichter gelegenen Korallen starben damals“, sagt Delphine Robbe. Dies sei nicht zuletzt auch deswegen gefährlich, da diesen Korallen – solange sie gesund und nicht brüchig sind – eine wichtige Aufgabe zufällt: Sie brechen die Wellen, die auf den Strand treffen, und schützen den Strand und die Küste dadurch vor der Gewalt des Meeres.

Um den Korallen zu helfen, hat Robbe, die den Gili Eco Trust leitet, vor mehr als zehn Jahren angefangen, Biorock-Strukturen im Meer vor Gili Trawangan zu installieren. Die Biorock-Technologie wurde in den 1970er Jahren von dem Meeresbiologen Tom Goreau gemeinsam mit dem deutschen Architekten Wolf Hilbertz entwickelt. Dabei werden im Meer Stahlgestelle versenkt, durch die schwacher Gleichstrom – zwölf Volt – fließt. Durch die Elektrolyse spaltet sich das Meerwasser in seine chemischen Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff auf – auf der Struktur bildet sich dadurch Kalkstein, ein idealer Nährboden für Korallen.

Korallen bilden selbst nicht mehr genug Kalk

Denn wegen der zunehmenden Versauerung der Ozeane durch die Aufnahme von Kohlendioxid fällt es Korallen immer schwerer, selbst genug Kalk zu bilden. „Korallen wachsen auf den Biorocks deutlich schneller“, sagt Robbe. Anscheinend hilft der Strom ihnen beim Stoffwechsel und macht sie widerstandsfähiger.

Die positiven Auswirkungen des elektrischen Stroms sind bis in einer Entfernung von zehn Metern erkennbar. „Die Technik hilft den Korallen gegen den Stress, den Verschmutzung, Sedimente und das Bleichen mit sich bringen, und gibt ihnen eine größere Überlebenschance“, sagte die Französin. Das Ergebnis sind oft dicht verästelte, farbenfrohe und vor allem gesunde Korallen.

Die Technik bringt jedoch den Nachteil mit sich, dass sie eine Menge Wartung benötigt. Inzwischen erledigen zahlreiche Freiwillige, die aus aller Welt nach Gili kommen, diese Aufgabe gemeinsam mit Delphine Robbe. „Meine Helfer kontrollieren die Biorocks täglich, prüfen Kabel, Stromfluss und sammeln Müll und Raubtiere ein, die das Riff zerstören“, sagt sie.

Auch beim Welt-Ozeangipfel ging es um das Thema

Dadurch dass die Biorocks Strom benötigen, können sie derzeit nur in Küstennähe installiert werden. Eine umweltfreundliche Stromversorgung ist wie auch Müllmanagement deswegen ein weiteres Thema, für das sich Gilis Ökokriegerin einsetzt. Robbe arbeitet derzeit unter anderem daran, mit Hilfe einer finnischen Firma eine Müllverbrennungsanlage auf der Insel zu bauen. Damit ließen sich Müllentsorgung und Stromerzeugung verbinden.

Inzwischen kennt jeder auf der Insel die Französin, die aus der Menge heraussticht. „Ich bin blond, habe blaue Augen und bin keine Muslima – das war am Anfang nicht immer einfach“, sagt sie. Nach 15 Jahren würden aber auch die Einheimischen sie unterstützen. „Ich habe versucht ein gutes Beispiel zu sein anstatt Anweisungen zu geben“, erklärt sie. „Und ich habe immer um Erlaubnis gefragt anstatt um Vergebung.“

Ihr Thema, der Schutz der Korallenriffe, war auch beim ersten Welt-Ozeangipfel in New York, der in der Nacht zum Samstag zu Ende geht, ein großes Thema. Vor allem der Klimawandel setzt der Korallenriffen weltweit zu. In New York haben Nicht-Regierungsorganisationen aus aller Welt ihre Projekte zum Schutz der Korallenriffe präsentiert. Auch der Tourismus schadet den Riffen. Dass Touristen die Pracht nicht zerstören, auch dafür kämpft die Ökokriegerin Delphine Robbe. (mit deh)

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