Welt : Zwischen Leben und Tod

Der Gesundheitszustand von Papst Johannes Paul II. ist weiter extrem kritisch. Er hat hohes Fieber und verliert immer wieder das Bewusstsein. Manchmal ist er auch ansprechbar. Millionen Gläubige in aller Welt beteten am Samstag in Gottesdiensten für ihren Kirchenführer.

Rom (02.04.2005, 20:32 Uhr) - Der Papst habe seit mehreren Stunden hohes Fieber, sei aber weiter bei Bewusstsein, teilte der Vatikan am Samstagabend mit. Er reagiere noch auf Ansprache, erklärte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls. Stunden zuvor hatte Navarro-Valls mitgeteilt, dass der 84-Jährige zeitweise das Bewusstsein verliere, extrem schwach sei und die meiste Zeit schlafen wolle. Millionen Gläubige in aller Welt beteten am Samstag für den Kirchenführer. Besonders große Anteilnahme löste das Leiden des Papstes in Polen aus. Zugleich wurde über eine Beisetzung des polnischen Pontifex in seiner Heimat spekuliert.

Kurienkardinäle wie der Deutsche Joseph Ratzinger verabschiedeten sich im Vatikan von dem seit über 26 Jahren regierenden Kirchenoberhaupt. «Ihm ist bewusst, dass er zum Herrn geht», meinte Ratzinger nach einem Besuch am Sterbebett. «Er hat sich von mir mit einem letzten Gruß verabschiedet und für die Arbeit in den letzten Jahren gedankt», sagte er. «Ich habe Euch gesucht. Jetzt seid Ihr zu mir gekommen. Ich danke Euch dafür», lasen enge Mitarbeiter laut Navarro-Valls von den Lippen des Papstes ab.

Auf dem Petersplatz in Rom versammelten sich am Samstagabend erneut zehntausende Gläubige. Die Kirche rief für die Nacht zu einem Rosenkranzgebet für den Papst auf. Zugleich wurden in Italien alle Sportveranstaltungen an diesem Wochenende abgesagt, wie das Nationale Olympische Komitee (CONI) mitteilte. Damit fallen auch alle Spiele der Fußball-Serie A aus.

In Polen, dem Geburtsland des Papstes, hielten Tausende in den Kirchen Nachtwache. Auch die Münchner Frauenkirche und der Kölner Dom waren für Gebete geöffnet. In den USA fanden sich unzählige Gläubige zum Gebet zusammen. US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura beteten ebenfalls für den Papst, den Bush in einer Ansprache einen «Champion der menschlichen Würde und Freiheit» nannte.

Seit Donnerstagabend hatte sich der Zustand des Papstes rapide verschlechtert. Mit Blick auf die Wahl eines Nachfolgers berichteten italienische Medien, es seien bereits Kardinäle aus aller Welt unterwegs nach Rom. Zugleich gab der Vatikan am Samstag mehrere Bischofsernennungen bekannt. Damit zeigt die katholische Kirche demonstrativ, dass sie auch in solchen Phasen handlungsfähig ist. (tso)

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