Welt : Zwischenstation im All

Weitere Flüge der Space Shuttles ausgesetzt – Discovery dockt an die ISS an

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Washington/Moskau Die Raumfähre Discovery mit sieben Astronauten an Bord hat am Donnerstag planmäßig an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Unklar blieb zunächst, ob die Astronauten mögliche Schäden am Shuttle reparieren und wie geplant am 7. August zur Erde zurückkehren können.

Kurz vor dem Andocken der Raumfähre hatte die US-Weltraumbehörde Nasa erneut alle künftigen Space- Shuttle-Flüge abgesagt – wie schon nach dem Columbia-Unglück mit sieben Todesopfern.

Die Kommandantin Eileen Collins steuerte die Discovery an die Station. Es war das erste Andocken eines US-Shuttles an die ISS seit dem Absturz der Columbia vor zweieinhalb Jahren. Zuvor hatte die Besatzung der ISS den Shuttle im Anflug von allen Seiten fotografiert, um mögliche Schäden an der Raumfähre zu dokumentieren.

Beim Abheben vom Raumfahrtbahnhof Cape Canaveral am Dienstag war ein Stück der Schaumstoffisolierung am Treibstofftank abgeplatzt. Außerdem sollen mehrere Kacheln am Hitzeschild der Fähre beschädigt sein. Die Schäden an der Discovery, deren Ursache noch nicht geklärt sind, seien kein gravierendes Problem, sagte der stellvertretende Nasa- Programmdirektor Wayne Hale. Dennoch sollte erst nach Auswertung aller Daten entschieden werden, ob die beschädigte Fähre zurück zur Erde fliegt oder im Weltall repariert werden muss.

Im Wirbel um den Problemflug der Discovery betonten die russischen Raumfahrtbehörden, im Notfall die US-Besatzung nicht zur Erde heimholen zu können. Für die mitunter harte Landung der russischen Sojus-Kapseln müsse jeder Kosmonaut an Bord in speziell auf ihn zugeschnittenen Schalensitzen festgeschnallt werden, teilte ein Sprecher der Raumfahrtbehörde Roskosmos am Donnerstag in Moskau mit. Solche Sonderanfertigungen gebe es für die sieben Discovery-Astronauten nicht.

Sollte die Crew der US-Raumfähre nicht mit dem Shuttle zur Erde zurückkehren können, reicht nach Einschätzung russischer Experten das Essen und Trinken auf der ISS maximal einen Monat. „Wir hoffen sehr, dass die Probleme mit dem Shuttle noch im All beim Außeneinsatz der Astronauten behoben werden können“, sagten Mitarbeiter der Flugleitzentrale bei Moskau.

Die europäische Raumfahrtorganisation Esa sieht eine Verzögerung beim Flugplan der amerikanischen Space- Shuttle-Flüge nicht als Katastrophe: „Es geht halt etwas zäher weiter, aber es geht weiter“, sagte Esa-Direktoriumsmitglied Dieter Isakeit. Möglicherweise könne der nächste Shuttle-Flug erst im März starten, wenn nicht schon in wenigen Tagen die Ursache für die Ablösung des Schaumstoffs vom Außentank gefunden werde. Der Betrieb auf der Internationalen Raumstation ISS könne aber weitergehen, sagte Isakeit. Die Europäer sind nach seinen Angaben inzwischen die größten ISS-Nutzer. Achtmal seien Esa-Astronauten bisher zur ISS geflogen, davon waren sie sechsmal mit russischen Sojus-Raumschiffen unterwegs.

Die Aussetzung aller Space-Shuttle- Flüge hemmt nach Einschätzung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt aber auch deutsche Pläne. „Für uns ist die Verschiebung der weiteren Space- Shuttle-Flüge natürlich sehr problematisch, denn wir sind mit dem Astronauten Thomas Reiter unmittelbar betroffen“, sagte der DLR-Vorstandsvorsitzende Sigmar Wittig. Reiter sollte am 9.September als erster Deutscher mit dem US-Shuttle Atlantis zu einem ISS-Langzeitaufenthalt starten.

Seit dem Absturz der Raumfähre Columbia am 1.Februar 2003 waren alle drei verbliebenen Nasa-Raumfähren zur Verbesserung der Sicherheit am Boden geblieben. Unter anderem wurde der Außentank neu konstruiert, von dem beim Start der Columbia ebenfalls ein Stück Schaumstoff abgeplatzt war. Damals prallte das Stück gegen die Raumfähre, wo es eine Hitzekachel beschädigte, was zur späteren Katastrophe führte. dpa

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