Der Tagesspiegel : Wenn’s stinkt

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ClausDieter Steyer empfiehlt nach dem Fleischskandal die Suche nach dem Landwirt des Vertrauens

ANGEMARKT

Es klingt makaber, hört sich fast unglaublich an und ist in jedem Falle unmoralisch, wenn nicht gar kriminell: Verdorbenes Fleisch wird in Brandenburg an Seniorenheime, Krankenhäuser, Hotels und an einen Party-Service geliefert. Der stinkende und möglicherweise mit Salmonellen behaftete Inhalt der Packungen ist von außen nicht zu erkennen. Denn die Etiketten auf den Plastikfolien tragen Datumsangaben, die keinen Anlass zur Sorge darstellen. Demnach würde der Ablauf der Haltbarkeit noch in weiter Ferne liegen. Doch die Aufkleber sind gefälscht, die Fleischstücken eigentlich ungenießbar.

Wahrscheinlich wäre der Skandal lange Zeit nicht aufgefallen, hätte sich ein früherer Mitarbeiter der Firma nicht an die Öffentlichkeit gewandt. Denn in der Pfanne löst sich so mancher vorher merkwürdig erscheinender Geruch dank der Gewürze und anderer Zutaten buchstäblich in Luft auf.

Wieder einmal ist es ein einzelnes Unternehmen, das den Ruf einer ganzen Branche ruiniert. Da mühen sich die Landwirte zwischen der Prignitz und der Niederlausitz auf der Grünen Woche, auf der alljährlichen Landpartie und bei vielen anderen Gelegenheiten redlich, um den Käufern der Produkte in Berlin vor allem eins klarzumachen: Brandenburger Brot, Milch, Käse, Obst, Wurst und Fleisch sind so frisch und gesund wie nirgendwo sonst. Das Land hält sich eine teure Vermarktungsgesellschaft, eröffnete am Jahresanfang in Frankfurt (Oder) das modernste Labor zum Herausfinden auch der kleinsten Verunreinigung in Lebensmitteln und verteidigt allenthalben die Ehrlichkeit der Bauern.

Da hilft es vielleicht, die jetzt am Pranger stehende Firma etwas genauer zu betrachten. Die zog erst vor einiger Zeit aus der Berliner Beusselstraße nach Stahnsdorf vor die Tore der Großstadt. Sie löste dort gleich einen handfesten Streit mit den örtlichen Metzgereien aus. Denn die Firma mit dem bezeichnenden Namen „Mac Snack" bot Produkte in ihrem Fabrikverkauf weit unter dem Einkaufspreis an. Das hätte viele Betriebe zerstört. Profitsucht dürfte auch für die jetzt bekannt gewordenen Fälschungen der Etiketten der ausschlaggebende Grund gewesen sein.

Doch der sensible Bereich der Grundnahrungsmittel taugt wegen der unbeherrschbaren Risiken ohnehin nicht zur Rabattschlacht. Auch der Ruf nach noch mehr und vor allem unangekündigten Stichproben hilft nicht weiter. Denn im jetzigen Skandalfall mischte wohl auch ein Lebensmittelkontrolleur kräftig mit. Er steht jedenfalls im Visier der Staatsanwaltschaft. Bestätigt sich deren Verdacht, klärt sich das Rätsel, warum lange Zeit gar nichts Verdächtiges in den Fleischpaketen gefunden werden konnte. Der Mann hat sich schmieren lassen.

Wer beim Konsum künftig ganz sicher sein will, kommt wohl an der Suche nach dem „Lebensmittellieferanten des Vertrauens" nicht vorbei. Der Privatkäufer, Hotelier oder Betreiber von Seniorenheimen muss sich dafür gar nicht auf eine langwierige und zeitraubende Tour übers märkische Land begeben. Die Adressen der Bio-Läden sind bekannt und viele Landwirte bieten inzwischen einen wöchentlichen Lieferservice für große und kleine Kunden an. Der etwas höhere Preis gegenüber dem Groß- und Einzelhandel könnte sich lohnen: durch das verantwortungsbewusst hergestellte und kontrollierte Essen wird man zumindest nicht krank.

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