Der Tagesspiegel : Wer schneller lernt, lernt besser Studie: Verkürzte Schulzeit bringt mehr

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Potsdam Brandenburg will 2007/08 das Abitur bereits nach dem 12. Schuljahr einführen. Im Regelfall sollen die Abiturienten nach sechs Jahren Grundschule sechs weitere Jahre aufs Gymnasium gehen. So viel steht fest. Umstritten ist in der Regierungskoalition aber, was dann mit den so genannten Leistungsprofilklassen geschieht, die auf Wunsch der CDU eingeführt wurden. Die SPD will diese Klassen, in die leistungsstarke Schüler schon nach der vierten Klasse auf das Gymnasium wechseln dürfen, weitgehend abschaffen. Die Union hingegen pocht auf ihren Fortbestand – und dürfte sich durch eine neue Untersuchung des Landesinstituts für Schule und Medien (Lisum) bestärkt sehen.

Wie Lisum-Direktor Jan Hofmann auf Anfrage bestätigte, sind die Leistungen dieser frühen Abitur-Schüler in den Fächern Mathe, Englisch und Deutsch schon Ende der 7.Klasse durchweg besser als die von Achtklässlern, die nach der sechsjährigen Grundschule auf das Gymnasien gewechselt sind. „Sie könnten nach der 7.Klasse sofort mit Klasse 9 weitermachen.“ Nach Auskunft von Hofmann bestätigen die Ergebnisse der neuen Tests der 4plus8-Klassen den Trend früherer Untersuchungen. „Der Modellversuch ist erfolgreich.“

Hinzu kommt ein weitererUmstand, der die geplante Abschaffung der Leistungsprofilklassen erschweren wird: Sie sind bei Schulen, Eltern und Lehrern beliebt, wie die Resonanz zeigt. Nach Lisum-Angaben haben 45 Brandenburger Schulen seit 2001/2002 solche Klassen freiwillig eingerichtet. Derzeit besuchen sie insgesamt 3674 Schüler.

Doch ein Umstand macht die Problematik unübersichtlich: An einigen Brandenburger Gymnasien wird seit einigen Jahren auf Druck der SPD gleichzeitig ein zweites Modell zum Turbo-Abitur nach dem 12.Schuljahr getestet – in so genannten 6plus6-Klassen, in die Schüler nach der üblichen sechsjährigen Grundschulzeit wechseln. Allerdings blieb die Nachfrage für diese Klassen im Vergleich zu den Leistungsprofilklassen gering. Ursprünglich für 20 Schulen geplant, gibt es sie lediglich an 13 Schulen. Sie werden insgesamt von knapp 500 Schülern besucht. Laut Lisum-Untersuchung sind auch die Leistungen dieser Turbo–Abiturienten „deutlich besser“, als die der regulären Parallelklassen an den Gymnasien mit 13 Schuljahren – und zwar in den 7. und 8. Klassen.

Allerdings lassen die Untersuchungsergebnisse nur bedingt Rückschlüsse auf das geplante Regelabitur nach dem 12.Schuljahr zu, sagt Lisum-Chef Hofmann. Denn in den Turbo-Klassen nach dem 6.Schuljahr lernt derzeit eine ausgewählte Klientel von leistungsstarken Schülern. Man könne deshalb aus dem Erfolg nicht automatisch schlussfolgern, dass es als Modell für alle, also auch schwächere Schüler, genauso gut funktioniere. thm

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