Werder Bremen : Das tut richtig weh

Bis 20 Minuten vor Schluss lief fast alles nach Plan - dann kam der Einbruch. Werder Bremen steht nach dem 1:3 gegen Olympiakos Piräus vor dem Aus in der Champions League.

Frank Hellmann
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Werder-Debakel. Borowski und Frings sind wieder da - geholfen hat's nicht. -Foto: dpa

BremenDer Wortführer ist wieder da, doch auch mit Torsten Frings hat Werder Bremen in der Champions League einen harten Rückschlag erlitten. Obwohl die Norddeutschen gegen Olympiakos Piräus am gestrigen Abend lange wie der sichere Sieger aussahen, setzte es am Ende im ausverkauften Weserstadion eine ernüchternde 1:3 (1:0-)Niederlage. Der avisierte Achtelfinaleinzug ist nach der Auftaktniederlage bei Real Madrid nun nur noch schwerlich zu bewerkstelligen. Die Führung des Portugiesen Hugo Almeida in Hälfte eins glich Ieroklis Stoltidis nach einem Fehler von Werder-Ersatztorwart Christian Vander aus. Mit einem fulminanten Weitschuss erzielte Christos Patsatzoglou gar das 2:1 und Darko Kovacevic erhöhte nach erneutem Fauxpas Vanders auf 3:1 für den Griechischen Meister, der bisher aus 31 Champions-League-Auswärtsspielen die Horrorbilanz von 24 Niederlagen und sieben Unentschieden zu Buche stehen hatte.

Vor dem Spiel sahen sich die meisten der 37.500 Zuschauer noch zu tosendem Applaus animiert. Torsten Frings war zehn Wochen nach seinem Innenbandanriss im rechten Knie wieder aufgelaufen. "Ich habe in der Reha ja nicht nur Däumchen gedreht", erklärte der 30-Jährige, der zuletzt mit Macht auf sein Comeback gedrängt hatte. "Zeitweise mussten wir ihn anbinden", beschrieb Sportchef Klaus Allofs die Ungeduld des Leistungsträgers. Vor allem als umsichtiger Ballverteiler war der Nationalspieler bei fast zwei Drittel Ballbesitz gefragt, da die Griechen außerordentlich defensiv agierten. Der Nationalspieler überzeugte in zentraler defensiver Mittelfeldrolle indes mit viel strategischem Geschick.

Werder boten sich zunächst Feldüberlegenheit und reichlich Chancen: Almeida scheiterte allein vor dem nicht immer sicheren griechischen Nationalkeeper Antonios Nikopolidis, der auch den Kopfball von Markus Rosenberg abwehrte. Chancenlos war der Torwart beim 1:0 von Almeida, der nach Hereingabe von Daniel Jensen und Rosenberg-Kopfballverlängerung nach einer halben Stunde freistehend vollstreckte. Doch in der zweiten Halbzeit gab Werder nach und nach die Kontrolle über die Partie her. Beifallumrauscht war nur noch die 63. Minute: Da brachte Trainer Thomas Schaaf mit dem ebenfalls lange verletzten Tim Borowski den zweiten Rückkehrer ins Spiel.

Tragische Figur wurde ausgerechnet Ersatztorwart Christian Vander, der den wegen Muskelproblemen fehlenden Tim Wiese ersetzte. Lang agierte Vander sicher und parierte beispielsweise gegen Luciano Galletti zweimal bravourös. Glück hatte der Ex-Bochumer, als sein erster Fauxpas nicht zu einem Gegentor führte: Als Vander einen Schuss nicht festhielt und der Kongolese Lomana LuaLua abstaubte, entschied Schiedsrichter Bo Larsen zu Recht auf Abseits (66.). Doch sieben Minuten später half auch der Referee nicht: Vander wehrte gegen den eingewechselten Darko Kovacevic zu kurz ab, Stoltidis bedankte sich. Auch beim 1:3 sah der 26-Jährige denkbar schlecht aus.

Der Einsatz Vanders war ohnehin als Sicherheitsrisiko angesehen worden, schließlich hatte er noch nie in der Champions League gespielt, in der Bundesliga, obwohl schon beim KFC Uerdingen und VfL Bochum angestellt, auch erst 20-mal. Für Werder stand er bisher erst 61 Minuten im Tor. Bisher galt Vander als Ersatzmann, der im Training stets formidabel hielt. "Natürlich hat er nicht viel Spielpraxis, aber er wird auf alles vorbereitet sein", hatte ihm Schaaf als Aufmunterung mitgegeben. Das war gut gemeint, aber gewiss gestern nicht die Realität.