Werder Bremen : Klasnics einsame Runden

Nach seiner zweiten Nierentransplantation läuft Ivan Klasnic wieder - vorsichtig, nicht zu schnell und immer auf den Puls achtend. Die Sehnsucht nach dem Ball ist aber groß.

Klasnic
Zu Besuch im Weserstadion: Ivan Klasnic.Foto: dpa

BremenDie schlimmste Zeit liegt bereits hinter Ivan Klasnic, doch seine Zukunft als Bundesliga-Profi bleibt ungewiss. Nach einer gescheiterten und einer geglückten Nierentransplantation bereitet sich der Stürmer von Werder Bremen derzeit alleine auf das ersehnte Comeback vor. Einsam dreht der Fußballprofi seine Runden, joggt wie ein Hobby-Sportler: vorsichtig, nicht zu schnell, "immer auf den Puls achtend", berichtet er. Mehr als 30, 40 Minuten läuft Klasnic noch nicht.

"Ich bin ein bisschen am Schwitzen, aber noch nicht so richtig", sagt der 27-Jährige. Er träumt davon, dass er - wie andere Sportprofis vor ihm - mit einer neuen Niere wieder seinem Beruf nachgehen kann. Der amerikanische NBA-Basketballer Alonzo Morning und der neuseeländische Rugbyprofi Jonah Lomu sind die prominentesten Beispiele.

"Ich habe es nicht übertrieben"

 Grundsätzlich hat auch Professor Jürgen Klempnauer keine Bedenken, dass Klasnic "sein bisheriges Leben wieder aufnehmen kann". Der Arzt aus Hannover hatte mit seinem Team von der Medizinischen Hochschule Hannover im März die Niere von Klasnic' Vater verpflanzt, nachdem der erste Versuch in Bremen mit einer Niere der Mutter gescheitert war.

Im April hatte Klasnic wieder mit sportlichen Betätigungen begonnen, war zunächst ein bisschen Fahrrad gefahren und später zehn Minuten lang gelaufen. Ganz gemächlich ließ er es angehen. "Ich habe es nicht übertrieben", berichtet der Torjäger, der einst mit Miroslav Klose den gefürchteten K&K-Sturm bildete und für Werder 41 Bundesliga-Tore geschossen hat. Nach einer kurzen Pause hat Klasnic jetzt im Urlaub wieder angefangen, ein wenig zu laufen.

In der kommenden Woche will er in Bremen mit dem Aufbau-Training beginnen, sich mit einem Physiotherapeuten gezielt auf das Comeback vorbereiten und möglichst bald ins Mannschaftstraining einsteigen. "Dann habe ich ein bisschen Vorsprung", scherzt Klasnic mit Blick auf den Trainingsbeginn der Kollegen am 2. Juli, den er sich als Ziel gesetzt hat. Dass dieser Termin allerdings eine sehr optimistische Sichtweise ist, weiß der Kroate: "Ich muss einiges nachholen."

Gestörtes Verhältnis?

Klasnic braucht bei seinem langen Weg zurück in den Hochleistungssport Geduld. "Ich bremse mich selbst", versichert er: "Wenn ich zu schnell mache, dann schade ich mir selbst." Dem in Hamburg groß gewordenen Angreifer fällt es jedoch schwer - die Sehnsucht nach dem Ball, nach dem Wettkampf und der Mannschaft sind groß. "Es ist schon schwierig, wenn man sechs Monate kein Fußball spielen kann", gibt er zu.

Dass er wieder für Werder Bremen spielen wird, scheint ausgemachte Sache. Allerdings hat Klasnic immer noch keinen neuen Vertrag unterschrieben. Werder hatte ihm bereits Ende Januar eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages angeboten, doch Klasnic zögerte. In den folgenden Monaten hatte es gegenseitige Vorwürfe zwischen den Familie Klasnic und Werder-Manager Klaus Allofs gegeben, der von einem gestörten Verhältnis sprach.