Westafrika : Deutsche Touristin in Mali entführt

In Mali ist eine deutsche Staatsbürgerin gemeinsam mit drei weiteren europäischen Touristen entführt worden. Das Auswärtige Amt bemüht sich um eine "rasche Aufklärung".

BerlinEine 75-jährige Frau aus Hessen ist gemeinsam mit einem Schweizer Ehepaar und einem Briten in Mali verschleppt worden. Entsprechende Berichte von "Spiegel-Online" wurden inzwischen durch das Auswärtige Amt bestätigt. Die Entführten sollen zusammen mit weiteren europäischen Touristen in zwei Autos in der Grenzregion zwischen Mali und Niger unterwegs gewesen sein, als sie überfallen wurden. Den Angaben zufolge kamen sie von einem mehrtägigen Volksfest der Wüstenstämme der Tuareg im nördlichen Niger. Bei den Tätern soll es sich ebenfalls um Tuareg handeln. Ein zweiter Wagen mit Touristen, darunter auch ein weiterer deutscher Staatsbürger, konnte laut "Spiegel-Online" aus dem Hinterhalt entkommen. Augenzeugen hätten berichtet, dass auch Schüsse gefallen seien. Verletzt wurde den Angaben zufolge aber niemand.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die Botschaft in Mali befasse sich intensiv mit dem Fall. Das Außenministerium in Bern bestätigte am Abend, dass zwei Schweizer Staatsbürger entführt worden seien. Man sei in Kontakt mit den lokalen Behörden, den Angehörigen der Entführten, sowie den deutschen und britischen Behörden, sagte Sprecher Lars Knuchel der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Reisewarnung ignoriert

Auf der Website des Auswärtigen Amtes wird ausdrücklich vor Reisen in die betroffene Wüstenregion gewarnt. Bereits vor zwei Wochen hatten Sicherheitsdienste vor Entführungen westlicher Ausländer während eines Festivals nördlich von Timbuktu gewarnt.

Im Norden Malis sind nicht nur Banditen und Schmuggler unterwegs, auch eine Tuareg-Rebellion sorgt im Grenzgebiet von Mali, Niger und Algerien für Instabilität. Die malischen Behörden hatten erst vor wenigen Tagen nach eigenen Angaben einen der wichtigsten Standorte der Tuareg-Rebellen zerstört. Gefahr für Reisende in der entlegenen Region in der Sahara geht auch von algerischen Extremisten aus, die jenseits der algerischen Grenze ihre Rückzugslager haben.

In der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu Entführungen von Sahara-Touristen, etwa in Algerien. Den Tätern ging es meist um Lösegeld, es gab jedoch auch Entführungen mit politischem Hintergrund. Die Verhandlungen über die Freilassung der Entführten zogen sich zum Teil über Monate hin.