Wettbetrug im Tennis : Deutsche Profis empört über "Generalverdacht"

Die deutschen Tennisspieler wehren sich gegen die Darstellung, im Tennis gehöre Manipulation zur Tagesordnung. Michael Berrer glaubt an "ein paar schwarze Schafe", Michael Kohlmann findet die Vorwürfe "unglaublich".

Tennis
Aufschlag absichtlich ins Netz geschlagen? Tennisspieler geraten unter Generalverdacht. -Foto: ddp

BerlinDie Vorwürfe, im Tennis gäbe es seit Jahren Wettbetrug, haben nicht nur Deutschlands Nummer eins Tommy Haas und Davis-Cup-Kapitän Patrick Kühnen verärgert. Auch die Mitglieder der Spielervereinigung Tennis Germany wehren sich gegen den Generalverdacht.

"Es ist unglaublich, dass er einen deutschen Spieler beschuldigt, aber dann keinen Namen nennt", erklärte Davis-Cup-Spieler Michael Kohlmann und zeigt wenig Verständnis für das Vorgehen des Kollegen. Ein angeblich noch aktiver deutscher Spieler hatte im WDR anonym behauptet, dass auch zwei deutsche Profis an Wettmanipulationen im Tennis beteiligt waren.

Waske: "Kein Betrügersport"

Zudem wäre es laut Kohlmann - anders als in der WDR-Sendung Sport inside behauptet - bereits bei vielen Turnieren nicht mehr möglich, in der Players Lounge auf Wettseiten zuzugreifen, da diese gesperrt seien.

Kohlmanns Davis-Cup-Kollege Alexander Waske bekräftigte: "Ich wehre mich gegen die Behauptung, dass unser Sport auf einmal ein Betrügersport sein soll. Es geht hier nur um einen verschwindend kleinen Prozentsatz." Er gibt zu Bedenken, dass Profis nicht immer wissentlich an Wettmanipulationen beteiligt sein müssen: "Im Umfeld eines Turnieres spricht sich schnell mal herum, wenn ein Spieler angeschlagen ist. Wenn dann gegen ihn gewettet wird, ist er machtlos."

Berrer glaubt an "ein paar schwarze Schafe"

Für Michael Berrer ist ebenfalls ärgerlich, dass "ein paar schwarze Schafe nicht daran denken, was sie dem Sport antun". Er selbst sei noch nie mit dem Thema in Berührung gekommen und ihm wurde auch noch kein Geld angeboten, um ein Match absichtlich zu verlieren. Wie Berrer bedauert auch Waske: "Es ist einfach schade, dass diese Sache die Erfolge schmälert, die wir in diesem Jahr zum Beispiel mit dem Davis Cup hatten. Die Stimmung war endlich wieder positiver."

Tennis-Germany-Gründungsmitglied und Ex-Profi Bernd Karbacher beurteilt die Situation ebenfalls als "katastrophal für den Tennissport, denn plötzlich stehen alle Spieler unter Generalverdacht. Praktisch jeder wird nun mit haltlosen Behauptungen ohne Beweise verdächtigt". Karbacher fordert wie auch Haas: "Wenn jemand Informationen hat, soll er die der ATP melden. Alles andere schadet doch mehr, als dass es hilft." (mit sid)