Der Tagesspiegel : WIE ENTSTEHT GRUNDEIS?

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Normalerweise gefriert das Wasser eines Sees oder ruhigen Flusses an der Oberfläche zuerst. Das liegt daran, dass Wasser bei vier Grad seine größte Dichte, sein größtes spezifisches Gewicht, hat. Wird es wärmer oder auch kälter, dehnt es sich aus, es wird bei gleichem Volumen leichter. Was schwerer ist als seine Umgebung, sinkt nach unten, hier eben das vier Grad warme Wasser. Es bilden sich Wasserschichten, die nach oben immer kälter werden. Ganz oben schwimmt das Eis.

Grundeis hingegen ist Eis, das am Boden von stärker strömenden Flüssen entsteht. Das liegt daran, dass dort das Wasser ständig in Bewegung ist. Und dadurch bleiben die Teilchen, die sonst zu einer Eisschicht zusammenfrieren würden, nicht mehr so leicht aneinander haften. Die Bewegung durchmischt das Wasser, es wird also auch am Gewässerboden kalt. Dort aber und an den Rändern ist die Strömung geringer als in der Flussmitte. Da können sich Eiskristalle bilden und zur festen Schicht absetzen, erklärt Joachim Schwarz, der frühere Leiter der SchiffsbauVersuchsanstalt in Hamburg.

Gefährlich wird es dann, wenn sich die Schollen vom Boden lösen. Dann können sie im Wasser treiben und sich aufeinander schieben, das nachfolgende Wasser stauen und Hochwasser verursachen.

Dann aber ist es letztlich gleichgültig, ob es sich um Grundeis oder große Schollen von Oberflächeneis handelt, ergänzt Professor Timm Stückrath vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Technischen Universität Berlin. An der Oder sind daher Eisbrecher stationiert, um diese Gefahr zu beseitigen. gih

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