Der Tagesspiegel : Wie Schinkel das Kloster Chorin rettete

Eine Ausstellung in der restaurierten Zisterzienserabtei zeigt die Geschichte und Gegenwart der Denkmalpflege in Brandenburg

Helmut Caspar

Chorin - Am Anfang der Denkmalpflege in Preußen stand ein Beschwerdebrief Karl Friedrich Schinkels. Der oberste Baumeister des Königs empfahl den Behörden 1817 nach einer Besichtigung der Reste des mittelalterlich zählenden Zisterzienserklosters Chorin empört, sie möchten „gefälligst“ dem Pächter die Bewahrung der Ruine auferlegen. „Bei der Seltenheit solcher Denkmäler in dieser Provinz wird die Erhaltung eines solchen zur Pflicht. Auch könnten sich die Baumeister der Provinz dafür interessieren, damit das willkürliche Einreißen und Verbauen dieser Altertümer vermieden und auf dem Lande der schönste Schmuck solcher Denkmäler erhalten werde.“

Doch die Forderung nach Respekt vor dem baulichen Erbe war schneller erhoben als erfüllt, wie eine neue Ausstellung „Zeitschichten – Denkmalpflege in Brandenburg“ im Kloster Chorin zeigt. Veranstaltet vom Landesdenkmalamt und dem Archäologischen Landesmuseum, schildert sie, welche Vorbehalte überwunden werden mussten, bis erste Rettungsmaßnahmen an dem seit der Reformation als Steinbruch und Stall benutzten Bauwerk beginnen konnten. Natürlich leistete der Choriner Pächter Widerstand. Die Umbau- und Entrümpelungskosten waren ihm zu teuer, andere Ställe hatte er nicht. Ein Denkmalgesetz gab es noch nicht, staatliche Beihilfen und Steuererleichterungen waren unbekannt. Dennoch blieb Schinkels Appell nicht ungehört. Die Bauakten verzeichnen von 1831 bis 1834 Reparaturen am Kloster, später erste Restaurierungsarbeiten. In der Ausstellung wird anhand von Zeichnungen, Bauplänen und Beschreibungen die schrittweise – und noch lange nicht abgeschlossene – Wiederherstellung der Anlage dokumentiert.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Architekt Ferdinand von Quast, der 1843 zu Preußens erstem Konservator der Denkmäler ernannt wurde und sich auch um das Kloster kümmerte – neben zahlreichen weiteren gefährdeten Architekturzeugnissen. Auf Anraten Schinkels hatte Staatskanzler Karl August von Hardenberg eine Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben. Besucher erfahren in der Ausstellung nicht nur einiges über die Ergebnisse dieser Inventur. Sie sehen auch, wie sich die archäologische Bauforschung und die denkmalgerechte Restaurierung entwickelten und welche Methoden heutige Bau- und Bodendenkmalpfleger anwenden – zu beobachten ganz praktisch im Abtflügel des Klosters, der gegenwärtig entkernt und restauriert wird. Hier soll in den kommenden Jahren ein Museum entstehen, in dem auch Fundstücke von Ausgrabungen im Kloster und seiner Umgebung gezeigt werden.

Kloster Chorin, bis 31. Oktober täglich 9-18 Uhr. Eintritt drei, ermäßigt zwei Euro.

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