Wildtiere : Füttern wieder erlaubt

Im tiefen Schnee hungern selbst die Wildschweine: Durch die verharschten und vereiste Schneedecke kommen sie kaum noch an Nahrung. Ausnahmsweise dürfen die Jäger darum das Wild füttern.

Katharina Wiechers
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Rehe und andere Wildtiere leiden im Frostwinter. -Foto: dpa

Potsdam

– Seit Wochen liegt Brandenburg unter einer dicken Schneedecke – hart und kompakt durch den ständigen Wechsel von Tauwetter und Minusgraden. Rehe, Hirsche und anderes Wild kommen durch die vereiste Schicht kaum noch an Nahrung: Mit ihren empfindlichen Hufen schafften sie es oft nicht, die Gräser, Bucheckern oder Eicheln freizuscharren, sagt der Präsident des Landesumweltamts, Matthias Freude. Zahlreiche Tiere sind deshalb bereits verhungert, die Verluste sind hoch. Aus diesem Grund haben jetzt fast alle Landkreise die sogenannte Notzeit ausgerufen. Sie erlaubt es den Jägern, das Wild zu füttern – eine absolute Ausnahme.

„Normalerweise ist das Füttern von Wild in Brandenburg streng verboten, auch im Winter“, sagt Freude. Die Tiere hätten im Laufe der Evolution gelernt, mit Schnee und Eis zurechtzukommen. Wenn es einige von ihnen nicht über einen Winter schafften, dann sei das die natürliche Auslese, sagt Freude. Doch dieser Winter sei kein gewöhnlicher, höchstens alle paar Jahrzehnte komme es vor, dass es derart lange kalt sei.

Nun haben so gut wie alle Jagdbehörden in den brandenburgischen Landkreisen mit dem Ausrufen der „Notzeit“ eine Hilfsaktion gestartet. So zum Beispiel in Oberhavel, wo die als äußerst scheu geltenden Rehe sogar schon vereinzelt in Vorgärten gesehen wurden. „Das ist ein Zeichen, dass die Tiere sehr in Not sind“, sagt die Sprecherin des Landkreises, Irina Schmidt. Nun dürfen die Jäger füttern und den Tieren einzelne Flächen freischaufeln, damit sie wieder an den Boden kommen. Auch im Havelland gilt seit dem 25. Januar die Notzeit, seit Weihnachten gibt es hier eine geschlossene Schneedecke, sagt Kreissprecher Erik Nagel. Gleiches gilt für die Prignitz, wo sich die Verwaltung ebenfalls dazu entschieden hat, den Tieren zu helfen.

Für den dortigen Sachbereichsleiter Norbert Kreutz gibt es ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Tiere wirklich in Not sind: Sogar die Wildschweine hätten kaum noch Eigenfett, berichteten die Jäger. „Dabei finden die sonst immer noch etwas, wenigstens einen Engerling“, sagt er. Sie seien sie sehr geschickt darin, mit ihrem Rüssel auch vereiste Schneedecken aufzubrechen. Doch in diesem Winter hungerten selbst die Wildschweine. Laut Kreutz ist es das erste Mal, dass die Notzeit in der Prignitz ausgerufen wurde, ebenso wie im Havelland oder im Kreis Oberhavel.

Der Naturschutzbund (NABU) Brandenburg sieht die Fütterung dennoch kritisch. Aus Tierschutzgründen sei es zwar plausibel, notleidenden Hirschen und Rehen zu helfen, sagt NABU-Geschäftsführer Wolfgang Mädlow. Allerdings seien die Wildbestände im Land ohnehin viel höher, als sie es von Natur aus wären. Katharina Wiechers (ddp)

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