Wimbledon : Martina Müller hält deutsche Fahne hoch

Martina Müller hat nach einem 6:0, 6:0-Sieg als einzige deutsche Dame die zweite Runde in Wimbledon erreicht. Im Streit mit Bundestrainerin Barbara Rittner sind die Fronten dagegen noch immer verhärtet.

Müller
Glückliche Gewinnerin: Martina Müller erhält Glückwünsche von Anna Smashnova. -Foto: AFP

LondonMartina Müller hat als einzige deutsche Tennisspielerin in Wimbledon die zweite Runde erreicht und zeigt sich im Streit mit Fedcup-Chefin Barbara Rittner unversöhnlich. Die bei dem Grand-Slam-Turnier in London erstmals an Nummer 32 gesetzte Hannoveranerin gewann mit 6:0, 6:0 gegen Anna Smashnova aus Israel, die als Weltranglisten-166. ihre Karriere eigentlich schon beendet hatte. "Dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht", sagte die derzeit beste deutsche Spielerin nach dem Sieg in nur 41 Minuten. "Aber ich habe gut angefangen und gut zu Ende gespielt."

Damit sorgte ausgerechnet die von Rittner aus dem Fedcup-Team geworfene 24-Jährige gut zwei Wochen vor der Relegationspartie in Japan für einen Hoffnungsschimmer. Anna-Lena Grönefeld, Sandra Klösel, Tatjana Malek, Greta Arn, Angelique Kerber und Julia Schruff waren allesamt an ihren Auftakthürden gescheitert. "Niemand hat sich mit Ruhm bekleckert", sagte Bundestrainerin Rittner. "Man hat klar gesehen, dass die jungen Spielerinnen noch Zeit brauchen und dass ihnen auf dieser großen Bühne einiges an Erfahrung und Routine fehlt. Für mich war diese Reise bisher eine große Enttäuschung."

Müller: "Frau Rittner muss mich fragen"

Lediglich die Weltranglisten-34. Müller steht in der zweiten Runde bei den All England Championships, wo sie auf die Bulgarin Tsvetana Kirilo Pironkova oder Agnieszka Radwanska aus Polen trifft. Doch zu ihren Chancen auf dem "Heiligen Rasen" wurde sie nur wenig gefragt in der Pressekonferenz. Schnell drehte sich alles wieder um den bizarren Streit um das Nationalteam. "Ich kann mich nicht selbst nominieren. Frau Rittner stellt das Team auf. Also muss sie den Schritt machen und mich fragen, ob ich spielen will", sagte Müller, die vor einem Jahr auf die strapaziöse Reise zum Fedcup-Abstiegsspiel in China verzichtet und die Mannschaft im Stich gelassen hatte.

Angesprochen auf diese Aussage Müllers sagte Rittner lediglich: "Sportlich hätte ich sie gerne dabei, zu den anderen Dingen möchte ich nichts sagen." Müller hatte behauptet, der Deutsche Tennis Bund (DTB) verlange eine öffentliche Entschuldigung von ihr. "Das war falsch und ist noch immer falsch. Das ist absolut unwahr", sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard der dpa. "Wir haben niemals eine öffentliche Entschuldigung verlangt. Das wäre auch eine Dummheit, das wäre ja wie Zu-Kreuze-kriechen."

Der DTB sei aber weiterhin der Meinung, dass Müller auf Rittner zugehen müsse, wenn sie wieder im Fedcup spielen will - und nicht umgekehrt. "Wir sind zu einem klärenden Gespräch immer bereit. Aber sie hat uns und das Team im Stich gelassen", sagte Eberhard. Als Zeichen dafür, dass es der Spielerin ernst sei, wolle man "ein aktives Zeichen haben". Deshalb solle Müller für eine Partie auf ihr Antrittsgeld verzichten und dafür eine höhere Prämie für Siege erhalten. "Ich lasse mich nicht erpressen", sagte Müller. Zeichen der Versöhnung sehen anders aus. (mit dpa)