Wimbledon : Regen rettet Federer

Federer-Herausforderer Rafael Nadal überstand heute in Wimbledon den zweiten Fünfsatz-Krimi nacheinander. Federers Partie gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero musste wegen Regens unterbrochen werden.

Andreas Bellinger[dpa]
Federer
"Rasen-König" Roger Federer muss das Feld räumen. -Foto: AFP

LondonMit Kampfgeist und einer ordentlichen Portion Glück hat Federer-Herausforderer Rafael Nadal in Wimbledon auch den zweiten Fünfsatz-Krimi nacheinander überstanden. Nur einen Tag nach dem Zitterspiel gegen den Schweden Robin Söderling profitierte der Vorjahresfinalist aus Spanien von einer Verletzung des Russen Michail Juschni, der sich mit Rückenschmerzen herumplagte und die Achtelfinalpartie mit 6:4, 6:3, 1:6, 2:6, 2:6 verloren geben musste. Der von Fortuna verfolgte Nadal trifft im Viertelfinale des Grand-Slam-Tennisturniers in London auf Halle-Gewinner Tomas Berdych. Der Tscheche bezwang den mit 35 Jahren ältesten Spieler im Turnier, Jonas Björkman aus Schweden, mit 6:4, 6:0, 6:7 (6:8), 6:0.

"Rasen-König" Roger Federer startete nach fünftägiger Freizeit gut erholt schon ins Viertelfinale, nachdem er zur Runde davor wegen der Absage des verletzten Thomas Haas nicht antreten musste. Stürmisch begann der Schweizer gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero, ging mit 5:2 in Führung und untermauerte seine Ansprüche auf den fünften Triumph in Serie, mit dem er mit dem Schweden Björn Borg gleichzöge. Doch der Faden riss, und Federer konnte froh sein, dass nach dem 5:5-Ausgleich des French-Open-Siegers von 2003 die Partie wegen Regens unterbrochen und schließlich vertagt wurde. Auch Andy Roddick aus den USA und der Franzose Richard Gasquet warteten vergeblich. Ihr Viertelfinals soll ebenso diesen Freitag nachgeholt werden.

Williams setzt Siegesserie fort

Venus Williams setzte unterdessen ihre beeindruckende Siegesserie fort und erreichte nach einer neuerlichen Klasseleistung zum sechsten Mal das Halbfinale. Wie schon tags zuvor gegen Maria Scharapowa zermürbte die Amerikanerin in Swetlana Kusnetzowa auch die nächste Russin auf ihrem Weg zum erhofften vierten Titelgewinn nach 2000, 2001 und 2005. Mit hammerharten Schlägen setzte sich die nur noch auf Platz 31 der Weltrangliste notierte 27-Jährige durch und verwandelte, begleitet von Wind und dunklen Wolken am Himmel über London, ihren fünften Matchball zum 6:3, 6:4-Erfolg.

Im einsetzenden Sprühregen beendete Marcos Baghdatis sein Achtelfinale gegen den Russen Nikolai Dawidenko mit einem 7:6 (7:5), 7:6 (7:5), 6:3-Sieg, während die Serbin Ana Ivanovic ihr erstes Match auf dem Center Court für eine halbe Stunde unterbrechen musste. Danach besiegte die 19-jährige nach Abwehr von drei Matchbällen die ein Jahr jüngere Nicole Vaidisova aus Tschechien mit 4:6, 6:2, 7:5. Im Halbfinale trifft die French-Open-Finalistin am Freitag auf Venus Williams. Halle-Finalist Baghdatis bekommt es in der Runde der letzten Acht mit Kiefer-Bezwinger Novak Djokovic zu tun. Der Serbe bezwang den Australier Lleyton Hewitt in einem neuerlichen Tiebreak-Krimi mit 7:6 (10:8), 7:6 (7:2), 4:6, 7:6 (7:5).

Weniger als 24 Stunden Ruhezeit

Nach weniger als 24 Stunden Ruhezeit seit dem starken Auftritt gegen Scharapowa meinte Venus Williams: "Es war eine ganz besondere Herausforderung für mich, und ich bin froh darüber, wie ich sie bestanden habe. Dass ich keinen Tag Pause hatte, war nicht so schlimm. Das ist eben Wimbledon." Von der Klasse seiner Tochter, die sich zuletzt mehr um ihr Architektur-Studium als um ihre Tennis-Karriere gekümmert hat, war Richard Williams ohnehin überzeugt. "Meine Töchter sind mental so stark wie Pitbull-Hunde", meinte der eigenwillige Tennis-Vater.

Im Regen-Festival von Wimbledon machte sich Altstar John McEnroe zum Sprachrohr der Frustrierten. Am Mikrofon der BBC schimpfte der Amerikaner auf die "Spielplan-Stümper", die sich die missliche Situation selbst zuzuschreiben hätten. "Warum haben sie am mittleren Sonntag nicht gespielt und die vertagten Matches am folgenden Tag als erste Spiele angesetzt?", fragte der dreimalige Wimbledonsieger und unkte: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie bis Sonntag fertig werden." Weil die Achtelfinals der Herren und die Viertelfinals der Damen am Donnerstag beendet wurden, ist dies aber wieder möglich.