Wimbledon : Verletzung stoppt Haas

Pechvogel Thomas Haas muss das mit Spannung erwarteten Match gegen Roger Federer verletzungsbedingt absagen. Er erlitt einen Riss der Bauchmuskulatur. Nicolas Kiefer wartet unterdessen auf sein Match gegen Novak Djokovic.

Andreas Bellinger,Wolfgang Müller[dpa]
Haas Foto: AFP
Pechsträhne in Wimbledon: Tommy Haas muss verletzungsbedingt passen. -Foto: AFP

London Thomas Haas hat das mit Spannung erwartete Achtelfinale gegen "Rasen-König" Roger Federer abgesagt und sich mit einem zweieinhalb Zentimeter langen Riss der Bauchmuskulatur aus Wimbledon verabschiedet. "Hört die Pechsträhne hier denn niemals auf?", sagte der total gefrustete Hamburger, dem nach seinem besten Auftritt auf dem "Heiligen Rasen" die erhoffte Sensation in seinem für diesen Montag geplanten ersten Auftritt in der zweiten Woche der All England Championships verwehrt blieb.

Nach einem schaurigen Wimbledon-Wochenende mit Dauerregen, Spielabsagen und Terror-Gefahr war Nicolas Kiefer urplötzlich der einzige deutsche Tennisprofi auf dem "Heiligen Rasen". Der wie "Phönix aus der Asche" zurückgekehrte Daviscupspieler soll an diesem Montag nachsitzen, weil sein Drittrunden-Match gegen Novak Djokovic am Samstag wie fast der komplette Spieltag dem miesen Londoner Wetter zum Opfer gefallen war. In seinem vierten Comeback-Auftritt nach 373 Tagen Verletzungspause muss er gegen den Shooting-Star aus Serbien aber alle Register ziehen, um zum zweiten Mal nach 1997 die Runde der letzten 16 zu erreichen. "Das wird ein guter Test, wie weit ich bin."

Haas enttäuscht

"Ich bin unheimlich enttäuscht, denn ich hatte mir nach den vielen Pleiten hier so viel vorgenommen. Aber es geht einfach nicht", sagte der in Jeans, Poloshirt und Basecap erschienene Haas. In London hatte er nach einer siebenwöchigen Zwangspause wegen einer Entzündung in der schon zwei Mal operierten rechten Schulter ein sensationelles Comeback hingelegt und erstmals im neunten Anlauf die vierte Runde erreicht. Nach der neuerlichen Hiobsbotschaft rechnet der beste deutsche Tennisprofi mit mindestens zwei bis vier Wochen Zwangspause. "Ich werde jetzt zurück nach München fliegen und mich bei Klaus Eder in Donaustauf wieder gesund pflegen lassen", erklärte Haas.

"Das ist eine ganz bittere Pille für Tommy", sagte Bundestrainer Patrik Kühnen. Kurz zuvor hatte er noch über das beeindruckende Comeback seines Daviscupspielers geschwärmt. Doch der nicht austrainierte Körper meldete sich mit heftigem Muskelkater, der sich in der dritten Runde gegen den Russen Dimitri Tursunow zu einem Riss in der Bauchdecke ausweitete. Auch Nationalmannschafts-Arzt Erich Rembeck, der eigens aus München angereist kam, konnte nicht helfen.

Pechsträhne in Wimbledon

"Vor allem beim Aufstehen und Hinsetzen hat es tierisch wehgetan", berichtete der "Sunnyboy", der auf dem "Heiligen Rasen" noch nie vom Glück verfolgt war. Das eklatanteste Beispiel seiner Serie von Pleiten, Pech und Pannen ereignete sich vor zwei Jahren, als er beim Einspielen auf einen Ball trat, sich das Sprunggelenk verdrehte und ohne einen Ballwechsel gespielt zu haben, wieder nach Hause fahren konnte. "Ich hoffe trotzdem, dass Wimbledon noch etwas Gutes für mich übrig hat", sagte Haas und ein Lächeln huschte über sein trauriges Gesicht. "Vielleicht erlebe ich noch ein Happy End."

Roger Federer erfuhr von der Absage wie aus heiterem Himmel. Der viermalige Wimbledonsieger hatte sich auf den elften Vergleich, von denen er acht gewann, mit seinem Freund gefreut. "Roger ist auch tierisch enttäuscht", meinte Haas, der dem Schweizer die bittere Nachricht offenbar selbst übermittelt hatte. "Er genießt es, wenn er unter Druck gerät" - und das hatte sich der Weltranglisten-Zehnte vorgenommen. "Ich hätte ihn vielleicht sogar schlagen können."

Scharapowa und Mauresmo im Achtelfinale

"Alleinunterhalter" Kiefer nutzte den traditionell freien Sonntag derweil zur Regeneration. "Djokovic wird in naher Zukunft auch Rafael Nadal und Roger Federer ärgern", sagte er vor seinem vierten Comeback-Match, das an diesem Montag als zweites Spiel auf einem der großen Nebenplätze nachgeholt werden soll. Wenn das Wetter mitspielt, denn die Vorhersagen sind weiterhin schlecht.

Am Samstag konnten nur zwei Spiele beendet werden, was den All England Club eine satte Rückzahlung an die Besucher kostete. Die Russin Maria Scharapowa und Titelverteidigerin Amelie Mauresmo aus Frankreich zogen ins Achtelfinale ein. BBC-Kommentator Boris Becker musste unterdessen seinen Start beim Oldie-Turnier absagen. Doppel-Partner Eric Jelen sei erkrankt und der erste Auftritt des dreimaligen Wimbledonsiegers seit 1999 damit geplatzt.