Bankenverband schlägt Alarm : Unternehmen sind nicht auf neues Zahlungsverfahren Sepa vorbereitet

In 31 Tagen werden die bisherigen nationalen Zahlungssysteme abgeschafft, doch die Wirtschaft droht die Kontenumstellung zu verschlafen. Die Lage ist laut Bankenverband "besorgniserregend".

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Die neue Kontonummer gilt ab 1. Februar in allen Euro-Staaten sowie in der Schweiz, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und Island.
Die neue Kontonummer gilt ab 1. Februar in allen Euro-Staaten sowie in der Schweiz, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und Island.Foto: dpa

Einen Monat vor der Umstellung auf das neue europäische Zahlungsverfahren Sepa mit neuen Kontonummern schlägt der Bankenverband Alarm. Die Lage sei „besorgniserregend“, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer am Montag in Berlin. Zu viele Unternehmen und Vereine hätten ihre Systeme noch nicht angepasst. Laut Zahlen der Bundesbank werden noch immer etwa 90 Prozent aller Lastschriften nach dem alten Verfahren abgewickelt – dabei dürfen Unternehmen und Vereine dieses ab 1. Februar nicht mehr benutzen. Es bestehe „enormer Handlungsbedarf und das unter immensem Zeitdruck“, sagte Kemmer.

In 31 Tagen werden die bisherigen nationalen Zahlungssysteme abgeschafft. Statt der alten Kontonummer und Bankleitzahl brauchen Firmen und Vereine für Überweisungen und Lastschriften dann die internationale Kontonummer Iban. Das ist eine späte Folge der Euro-Einführung. Während die Euro-Länder bereits seit zehn Jahren eine gemeinsame Währung haben, nutzen sie für den bargeldlosen Zahlungsverkehr noch immer unterschiedliche, nationale Systeme. Die werden mit der Sepa-Umstellung jetzt vereinheitlicht. Überweisungen und Lastschriften über die Ländergrenzen hinweg sollen dadurch schneller und günstiger werden. Die EU-Kommission rechnet mit Einsparungen in Höhe von 125 Milliarden Euro.

Die neue Kontonummer gilt ab 1. Februar in allen Euro-Staaten sowie in der Schweiz, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und Island.

Stellen die Firmen ihre Systeme nicht rechtzeitig um, bekommen sie erhebliche Schwierigkeiten: Sie können dann ab Februar den Mitarbeitern ihre Gehälter nicht mehr überweisen und von ihren Kunden kein Geld mehr per Lastschrift einziehen. Besonders kleine Firmen unterschätzen das. Experten warnen vor Zahlungsschwierigkeiten, die im schlimmsten Fall bis in die Insolvenz führen können. Bankenlobbyist Kemmer fordert deshalb, die Umstellung nicht länger aufzuschieben. „Es gibt keinen Plan B“, sagte er. „Wer noch nicht umgestellt hat, sollte dies lieber heute als morgen tun.“

Aktuelle Zahlen der Deutschen Bundesbank zeigen: Weniger als ein Drittel der Unternehmen ist hierzulande auf die Sepa-Umstellung hinreichend vorbereitet. Nur knapp eine Million der 3,6 Millionen Firmen in Deutschland haben bislang bei der Bundesbank die für die Umstellung nötige Gläubiger-Identifikationsnummer beantragt.

Anders als Unternehmen haben Verbraucher noch bis 2016 Zeit, sich an das Sepa-Verfahren zu gewöhnen. Sie können also bei Überweisungen vorerst weiterhin auch ihre alte Kontonummer und Bankleitzahl angeben. Die Bank rechnet sie dann automatisch um. Die Verbraucher sollten ihre neue Nummer jedoch kennen. Denn sie muss angeben werden, wenn zum Beispiel ein neuer Mietvertrag abgeschlossen, der Stromanbieter gewechselt oder ein Kurs bei der Volkshochschule besucht wird. Bei bestehenden Verträgen werden die Nummern automatisch übertragen.

Verbraucher finden die neue Kontonummer Iban und die internationale Bankleitzahl Bic auf ihrem Kontoauszug. Die 22-stellige Iban setzt sich aus einem Ländercode, zwei Prüfziffern, der alten Bankleitzahl und der Kontonummer zusammen. Der Bankcode Bic besteht aus einem Bankkürzel, einem Länder- und Ortskennzeichen und einem Kürzel für die Filiale.

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