Wirtschaft : ...ist beim Dollar ein Spiel mit Feuer

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Seit etwa zwei Jahren hat der Dollarkurs gegenüber anderen wichtigen Währungen langsam aber kontinuierlich nachgegeben. Jüngste Äußerungen von USFinanzminister John Snow verdeutlichen einmal mehr, dass seine Kommentare zur Situation einen weiteren Verfall nicht aufhalten.

Am Montag vergangener Woche fiel der Dollar gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren. Und US-Aktien verloren so viel an Wert wie seit zwei Monaten nicht mehr. Ende der Neunziger Jahre war der Dollar eine beständig harte Währung, weil die fundamentalen Wirtschaftsdaten dies rechtfertigten. Die US-Wirtschaft verzeichnete ein ordentliches Wachstum, und es gab viele Investitionsmöglichkeiten. Und da ausländische Investoren glaubten, der starke Dollar werde durch eine stabile Finanzpolitik gestärkt, kauften sie amerikanische Anleihen und Aktien.

Doch nun schwächelt die Wirtschaft und die Möglichkeiten für Kapitalanlagen sind aufgrund des lahmenden Wachstums gering. Darüber hinaus haben die Wall-Street-Skandale Ängste geschürt. In dieser Situation ist es nicht hilfreich, wenn das US-Finanzministerium anfängt, die eigene Währung schwach zu reden. Wer in Dollar-Werte investiert hat, wird sich immer öfter fragen, ob das klug war. Auch der Eurozone nützt es nicht, den Dollar herunterzureden. Ein Dollar, der fällt, während der Euro steigt, könnte die europäischen Exporte erschweren und die europäischen Volkswirtschaften weiter schwächen. Schließlich ist der Dollarkurs bekannt dafür überzureagieren – er könnte zu schnell zu tief fallen.

Ausländische Investoren halten fast die Hälfte der US-Staatsanleihen, mehr als ein Drittel amerikanischer Unternehmensanleihen und etwa zehn Prozent der US-Aktien. Ihr Vertrauen in diese Dollar-Vermögenswerte wird geschwächt, wenn der Eindruck entsteht, dass das US-Finanzministerium den Wert ihres Besitzes schlecht macht, um Exporte zu erleichtern.

Ein dramatischer Ausverkauf beim Dollar würde die amerikanischen Zinsen hochtreiben, den Aktienmarkt schwer erschüttern und damit das wirtschaftliche Wachstum in den USA weiter hemmen. Jemand im Weißen Haus sollte Snow sagen, dass er mit dem Feuer spielt.

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