1,3 Milliarden Euro : Banken zahlen Milliardenboni trotz Krise

Das Finanzsystem stand am Rande des Abgrunds, aber die gigantischen Banker-Belohnungen flossen weiter. Die US-Regierung rügt nun die Institute.

Im Auftrag der Regierung untersuchte Kenneth Feinberg 419 Banken.
Im Auftrag der Regierung untersuchte Kenneth Feinberg 419 Banken.Foto: AFP

Washington - Nach einem Bericht der US-Regierung haben amerikanische Geldhäuser auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ihren Spitzenmanagern rund 1,6 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) an „ungerechtfertigten“ Boni gezahlt. 17 der Banken hätten die üppigen Sonderzahlungen Ende 2008 und Anfang 2009 fließen lassen, nachdem sie milliardenschwere Hilfen aus Steuermitteln bekommen hätten, meldet die „New York Times“ unter Berufung auf Regierungsbeamte. Die Prämien seien nach „planlosen Kriterien“ gezahlt worden, hieß es.

   Der „Bonus-Beauftragte“ von Präsident Barack Obama, Kenneth Feinberg, wollte am Freitag einen entsprechenden Bericht vorlegen. Nach den Vorabinformationen bezeichnete er die Boni darin zwar als „unklug“, sie seien aber nicht ungesetzlich oder stünden im Widerspruch zum öffentlichen Interesse. Auch habe die Regierung praktisch keine Möglichkeiten, eine Rückzahlung des Geldes zu fordern. Elf der 17 Banken, die in dem Bericht erwähnt werden, hätten zudem die staatlichen Hilfen bereits mit Zinsen zurückgezahlt und deshalb darüber hinaus keinerlei Verpflichtungen dem Staat gegenüber, hieß es weiter. Unter den aufgeführten Geldhäusern seien unter anderem Wall-Street-Institute wie Citigroup, Goldman Sachs und der Versicherer AIG. Es zählten aber auch kleinere Institute wie etwa die Boston Private Bank dazu.

   Wegen der mangelnden rechtlichen Handhabe werde Feinberg die Banken auffordern, in Verträgen künftig festzuschreiben, dass Vorstände Bonus-Zahlungen streichen oder verändern können, wenn das Geldhaus in eine Krise schlittert, berichtet die „New York Times“ weiter. Alle 17 untersuchten Banken hätten ihm zugesichert, solch einen Schritt zu prüfen, wenn auch kein Geldhaus eine feste Zusage gemacht habe.

   Feinberg hatte im Auftrag der Obama-Regierung bei 419 US-Banken die Bezahlung der jeweils 25 Top-Verdiener zwischen der Auszahlung der ersten Hilfsgelder im Oktober 2008 und dem Inkrafttreten des Konjunkturpakets im Februar 2009 auf Exzesse hin untersucht. Die Macht, die Bonuspraxis zu verändern, bekam er aber nicht. Bei der Prüfung fahndete Feinberg nach großen Summen, überdimensionierten sogenannten „Goldenen Handschlägen“ beim Ausscheiden von Mitarbeitern oder mangelhaften und unklaren Begründungen, weshalb riesige Boni an Spitzenmanager flossen.

   Dem Bericht der „New York Times“ zufolge sind bei den Geldhäusern zwischenzeitlich mit den Gewinnen auch die gigantischen Gehälter wieder zurückgekehrt. Danach zahlte das Investmenthaus Goldman Sachs jedem Mitarbeiter im Durchschnitt 544 000 Dollar (425 000 Euro) pro Jahr, bei JP Morgan Chase sind es 400 000 Dollar und bei Morgan Stanley 262 000 Dollar. dpa

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben