Wirtschaft : 1,4 Millionen Autos stehen bei den Händlern

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Das deutsche Kfz-Gewerbe blickt sorgenvoll in die Zukunft. Stellenabbau, Existenzangst und sinkende Erträge prägen die mittelständische Dienstleistungssparte, sagte der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Rolf Leuchtenberger, am Dienstag in München. Für die Misere verantwortlich machte er vor allem die Autohersteller und die Qualität der Autos: So sei binnen zehn Jahren in heimischen Werkstätten mit einem Abbau von rund 60 000 Stellen zu rechnen, weil die Anzahl der Servicestunden je Wagen von derzeit 4,7 auf bis zu 2,6 Stunden pro Jahr falle. Weitere Arbeitsplatzverluste befürchtet der Verband schon in den nächsten Jahren durch die von Kfz-Herstellern betriebene Ausdünnung ihrer Händlernetze. Das werde für einige tausende Händler das Aus bedeuten.

Im Vorjahr sei die Zahl der Kfz-Gewerbebetriebe noch relativ moderat um 700 auf rund 48 000 Standorte gesunken, sagte Leuchtenberger. Das habe rund 6000 Stellen gekostet und die Zahl der in der Branche Beschäftigten auf etwa 531 000 Personen gedrückt. Auf den Höfen der heimischen Autohändler stehe eine Gebrauchtwagenhalde von 1,4 Millionen Fahrzeugen im Wert von rund 26 Milliarden Mark. Dieser Bestand sei sechs bis sieben Milliarden Mark höher als normal, wofür auch eine steigende Zahl von in den Markt zurück drängenden Leasing- oder Mietwagen verantwortlich sei. Weiteres Ungemach befürchtet das Kfz-Gewerbe durch die Versuche von Autoversicherern, Kooperationswerkstätten zu bestimmten Konditionen zu verpflichten. Verlangt würden unter anderem im Umkreis von 50 Kilometern ein für den Versicherer kostenloser Zustell- und Abholservice. Angesichts einer im Vorjahr von 1,4 auf 1,2 Prozent gesunkenen Umsatzrendite vor Steuern im Kfz-Gewerbe dürfe es keine Kostenverlagerung auf Werkstätten geben.

Insgesamt sei das Vorjahr unbefriedigend gewesen, bilanzierte der Verbandschef. Der Umsatz aller Händler und Werkstätten sei um gut ein Prozent auf 261 Milliarden Mark gewachsen. Aufgrund von Schwarzarbeit seien der Branche rund zehn Milliarden Mark Umsatz entgangen, was fast 60 000 Stellen entspreche. Der Preis einer Werkstattstunde sei 1999 um gut ein Prozent auf im Schnitt 115,65 Mark gestiegen.

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