1,5 Milliarden Euro Verlust : Thyssen-Chef Hiesinger bittet um Geduld

Bei Thyssen-Krupp läuft es alles andere als rund. Das Stahlwerk in den USA geht zwar an die Konkurrenz. Doch für die Fertigung in Brasilien findet sich kein Käufer. Eine Kapitalerhöhung soll nun helfen.

Ursprünglich sollte die Bilanzpressekonferenz erst am Montag stattfinden. Wegen des Verkaufs in den USA zog Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger sie vor.
Ursprünglich sollte die Bilanzpressekonferenz erst am Montag stattfinden. Wegen des Verkaufs in den USA zog Thyssen-Krupp-Chef...Foto: dpa

Essen - Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger kann den angeschlagenen Mischkonzern nicht mit einem Befreiungsschlag aus der Misere bringen: Seine Pläne zum Verkauf der beiden Übersee-Stahlwerke kann er nur zum Teil umsetzen. Während er die Fabrik in den USA für umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro an Arcelor-Mittal und Nippon Steel abstößt, bleibt er auf dem verlustreichen Rohstahlwerk in Brasilien sitzen. „Wir lassen uns nicht treiben. Manchmal muss man kleine Schritte gehen“, sagte der Manager auf der vorgezogenen Bilanzpressekonferenz am Samstag in Essen. Den 2012 mit dem finnischen Outokumpu-Konzern vereinbarten milliardenschweren Verkauf der Edelstahltochter muss er teilweise rückabwickeln.

„Eine Einigung zum Verkauf von Steel Americas insgesamt konnte auf einer für uns tragfähigen Basis nicht erreicht werden“, sagte Hiesinger. Anderthalb Jahre hatten er und Finanzchef Guido Kerkhoff nach Käufern gesucht. Die Kosten für die Anlagen in Brasilien und den USA waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert. Seit Jahren verhagelt die amerikanische Stahlsparte Thyssen-Krupp die Bilanz. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verzeichnete Steel Americas einen um Sondereffekte bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 495 Millionen Euro. Das Rohstahlwerk in Brasilien soll in den kommenden Jahren rund zwei Millionen Tonnen Stahl jährlich an das US-Werk liefern und ist laut Thyssen-Krupp damit zu 40 Prozent ausgelastet. Bislang hatte Brasilien allerdings das Doppelte geliefert. Beide Anlagen standen zu Ende September noch mit 3,1 Milliarden Euro in den Büchern.

Über eine Kapitalerhöhung will sich der Konzern frisches Geld beschaffen, das er dringend nötig hat: Ihn drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote ist mit 7,1 Prozent so niedrig wie bei keinem anderen Dax-Konzern. Zudem stieg das Verhältnis der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) zuletzt auf 200,6 Prozent von 185,7 Prozent. Dieser Wert soll auch mit dem Verkauf des US-Werks und der Kapitalerhöhung auf unter 100 gedrückt werden. Letztere soll unter Ausschluss des Bezugsrechts bis zu zehn Prozent betragen. Wann es dazu kommt, ließ das Unternehmen offen.

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro ein – im Vorjahr war es allerdings ein Minus von fünf Milliarden Euro gewesen. Im laufenden Geschäftsjahr peilt Hiesinger „eine deutliche Verbesserung in Richtung eines wieder ausgeglichenen Jahresergebnisses“ an. rtr

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