Wirtschaft : 10 000 Arbeitsplätze auf der Kippe

Der Postbank-Betriebsrat fürchtet massiven Stellenabbau bei der Übernahme durch die Deutsche Bank

R. Obertreis,M. Schröder

Berlin/Frankfurt am Main - Die Betriebsräte der Postbank fürchten, dass die Deutsche Bank im Zuge der Übernahme bis zu zehntausend Arbeitsplätze streichen könnte. Das wäre jeder sechste Arbeitsplatz der gemeinsamen neuen Großbank. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die der Konzernbetriebsrat zu dem Übernahmeangebot abgegeben hat. Die Deutsche Bank ist bislang mit 30 Prozent an der Postbank beteiligt und will sich noch in diesem Jahr die Mehrheit sichern. Die Deutsche Bank wollte die Zahlen am Donnerstag nicht kommentieren. Inoffiziell hieß es, es gebe keine Abbaupläne in diesem Umfang.

„Mit großer Besorgnis, aber auch mit erheblichen Zweifeln“ habe der Betriebsrat die Aussagen der Bank zu den angestrebten Synergien zur Kenntnis genommen, heißt es in der Stellungnahme. Die Deutsche Bank hatte schon vor einiger Zeit verkündet, dass sie ab dem Jahr 2014/2015 durch die Übernahme jährlich eine Milliarde Euro einsparen will. Ausgehend von den Erfahrungen mit vergleichbaren Vorhaben in der Branche habe der Betriebsrat nun errechnet, dass die Bank insgesamt bis zu 8 000 Arbeitplätze abbauen müsste, um die Einsparziele zu erreichen. Hinzu komme der bereits angekündigte Abbau von 2 000 Stellen. Die Zahlen passten auch zu dem Restrukturierungsaufwand, den die Deutsche Bank mit 1,4 Milliarden Euro beziffert habe. Die Hälfte davon sollen Kosten für anstehende Sozialpläne sein. Die Deutsche Bank beschäftigt knapp über 30 000 Mitarbeiter in Deutschland, bei der Postbank arbeiten rund 20 000 Leute.

Analysten halten die Zahl der bedrohten Stellen für viel zu hoch . „Das erscheint mir nicht realistisch, zumal die Postbank ja als eigenständiges Institut mit ihrem Namen erhalten bleiben soll“, sagt Dieter Hein, Banken-Spezialist beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank würden 9000 Stellen gestrichen. Dabei wird jedoch die Dresdner Bank komplett in die Commerzbank integriert und rund 340 Filialen sollen geschlossen oder zusammengelegt werden. Die Zentrale der Dresdner Bank wird aufgelöst.

Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, hatte hingegen im September gesagt, dass das Filialnetz der Postbank mit derzeit rund 1100 Häusern bestehen bleiben solle. „Die Restrukturierung wird gewisse Folgen nach sich ziehen. Wie viele Personen das betreffen wird, werden wir mit der Postbank bereden“, sagte Ackermann. Einsparpotenzial sah er vor allem im IT-Bereich.

Im direkten Kundengeschäft dürfte das schwieriger werden. Schließlich soll die Postbank dazu beitragen, dass die neue Großbank ihr Geschäft mit Privatleuten und kleinen Firmenkunden ausbaut. Ackermann erwartet Jahreserträge von zehn Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von drei Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern soll bei mehr als 20 Prozent liegen. Im ersten Halbjahr 2010 betrug sie bei der Postbank nur 8,3 Prozent, der Bereich Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank kam auf 24 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass bei der Postbank noch einiges passieren wird. Auf ein Problem weist der Konzernbetriebsrat aber hin: Mehr als ein Drittel der Postbank-Mitarbeiter sind Beamte – und damit de facto unkündbar.

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