Wirtschaft : 100 DM für ein Telefonhäuschen in Köln

Weitere Städte denken über Gebühren nach / Telekom-Konkurrenten wollen keine Zellen aufstellen KÖLN / BONN (AFP).In Köln droht der Deutschen Telekom kurz nach Ende des Karnevals ein zweiter Aschermittwoch: Vom 1.März an will die Stadt für den Betrieb von Telefonzellen auf öffentlichen Straßen Gebühren kassieren.Eine Reihe weiterer deutscher Städte überlegt, dem Kölner Beipiel zu folgen, so etwa München, Düsseldorf und Leipzig.Für die Telekom stellt sich dann allerdings die Frage, ob der Betrieb von Telefonhäuschen an wenig frequentierten Stellen überhaupt noch die Mühe wert ist.Und ob andere Anbieter dort einspringen, ist fraglich.Trotzdem muß niemand befürchten, daß Telefonzellen zum Beispiel aus ländlichen Gebieten ganz verschwinden.Denn ob Köln wirklich zum Gebühren-Präzedenzfall wird, ist noch offen.Stadt und Telekom arbeiten an einer "kölschen Lösung", sprich: an einem Kompromiß. Der Kölner Stadtrat hatte am Donnerstag eine neue Gebührensatzung für die Sondernutzung von öffentlichen Straßen verabschiedet, die für Telefonzellen je nach Standort Gebühren von monatlich einer bis 100 DM vorsieht.Ob andere Städte nachziehen, wird nicht zuletzt davon abhängen, welche Empfehlung das Präsidium des Deutschen Städtetages am kommenden Dienstag in dieser Frage aussprechen wird."Wir haben zwar jetzt die Rechtsgrundlage, solche Gebühren zu erheben.Ob das aber klug wäre, ist eine andere Frage", sagt der zuständige Referent Peter te Reh.Alle Kommunen hätten ein Interesse, ein flächendeêkendes Netz von Telefonhäuschen zu erhalten.Dazu ist die Telekom aber nicht verpflichtet.Bisher unterhält sie im ganzen Bundesgebiet 165 000 Telefonzellen und macht damit, wie sie gern betont, Verluste in dreistelliger Millionenhöhe.Der Ex-Monopolist würde sich nur ungern aus diesem Infrastrukturbereich zurückziehen.Doch wenn die Städte mit Gebühren ernstmachen, könne die Telekom nur noch die Tarife erhöhen oder die Häuschen dichtmachen.Daß sich für solche Standorte andere Betreiber finden, bezweifelt Telekom-Sprecher Ulrich Lissek: "Seit acht Jahren können private Firmen öffentliche Telefonzellen aufstellen.Bisher hat sich niemand darum gerissen." Mannesmann-Arcor würde sich zwar überlegen einzuspringen, wenn die Telekom Zellen abbaut.Zuvor sei jedoch eine Kosten-Nutzen-Analyse notwendig, erklärte ein Arcor-Sprecher.In diesem Jahr werde Arcor nur auf privatem Grund, etwa in Einkaufszentren und Bahnhöfen Fernsprecher aufstellen.Otelo hat überhaupt kein Interesse am Betrieb von Telefonzellen.

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