Wirtschaft : 100 Mittelständler kehren der Bewag den Rücken

BERLIN (dw).In Berlin wechseln rund 100 mittelständische Unternehmen den Stromversorger.Wie der unabhängige Strombroker Ampere AG am Dienstag bekanntgab, werden die Firmen ab Oktober nicht mehr von der Bewag, sondern vom westfälischen Stromkonzern VEW AG versorgt.Die Stromrechung der Beteiligten sinke dadurch im Schnitt um 27 Prozent."Erstmals profitieren Mittelständler in großem Umfang von der Liberalisierung des Strommarktes", erklärte Ampere-Vorstand Claus Rottenbacher.

"Für mich war der Wechsel geradezu eine Existenzfrage", sagte Jürgen Freidank, Geschäftsführer der Magnamedia Produktions GmbH.Das kunststoffverarbeitende Unternehmen gab bislang rund 800 000 DM pro Jahr für Bewag-Strom aus - nahezu 20 Prozent der Rohstoffkosten.Um im Wettbewerb bestehen zu können - 65 Prozent der produzierten CD-Hüllen werden exportiert - hatte Freidank ein Drittel der Kapazitäten nach Schottland verlagert.Nun ändern sich die Verhältnisse: Durch den Stromvertrag mit der VEW spart Freidank "etwa 180 000 DM im Jahr."

In den Strompool der Ampere AG haben sich auch illustre Gesellschaften wie der Tennisclub Blau-Weiss aufnehmen lassen.Bis Mitte Mai, erklärte Rottenbacher, können Interessenten dem Stromdeal mit der VEW noch beitreten.Das Volumen des jetzigen Kundenpools betrage rund 122 Gigawattstunden oder 21 Mill.DM pro Jahr.Rund 40 Prozent der Kunden kommen aus dem Osten der Stadt.Die Vertragslaufzeit betrage ein Jahr.Die VEW AG hat sich unter sechs Anbietern nicht nur wegen der niedrigen Stromtarife durchgesetzt, erklärte Rottenbacher: "Uns hat auch das unkomplizierte, kundenfreundliche Tarifmodell überzeugt." Neben der VEW hatten sich RWE, Bayernwerk, die Veag, die Hamburgischen Electricitätswerke und Vasa Energy um die Belieferung der 100 Berliner Mittelständler beworben.Die Bewag hatte kein Angebot abgegeben, um ihre Kunden zu halten.

VEW verpflichtete sich zur Lieferung auch dann, wenn die Bewag die Durchleitung von Strom aus Westdeutschland weiterhin ablehnt.VEW-Vorstandsmitglied Manfred Scholle zeigte sich jedoch zuversichtlich, mit der Bewag eine Einigung herbeiführen zu können."Wir haben bereits in der Vergangenheit immer gut zusammengearbeitet."

Die Bewag hat auf die Kundenabwanderung bereits reagiert: Magnamedia-Chef Freidank berichtet, daß die Bewag inzwischen einen ähnlich hohen Rabatt angeboten habe - sogar rückwirkend zum Oktober 1998.Er wolle sich aber aus der Nachfragergemeinschaft "nicht herausbrechen lassen".An der Frankfurter Börse gab die Bewag-Aktie am Dienstag um 4,28 Prozent nach.

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