Wirtschaft : 1000 Google-Angestellte sind jetzt Millionäre

Aktie der Internetsuchmaschine klettert auch am zweiten Handelstag – Übereifrige Händler verursachen Panne beim Börsenstart

Matthias B. Krause

New York - Nach dem fulminanten Börsenstart am Donnerstag ist die Google-Aktie auch am zweiten Handelstag gestiegen. Am späten Freitagabend notierte die Aktie bei 108,31 Dollar – 7,9 Prozent über dem Vortagesschluss. Der Emissionspreis hatte bei 85 Dollar gelegen.

Wie schon die Vorbereitungen zum Börsengang war der erste Handelstag turbulent verlaufen. Weil zwei Broker an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq bereits Kaufaufträge vor dem offiziellen Handelsstart ausführten, verzögerte sich die Prozedur für Stunden. Die Börsenaufsicht annullierte schließlich die Order und verwarnte die Händler. Als die Google-Chefs Sergey Brin und Larry Page dann endlich die obligatorischen Unterschriften auf der fernsehgerechten Plexiglasscheibe vollzogen hatten, gab es nur noch positive Überraschungen. Der Startpreis von 100,01 Dollar lag deutlich über dem wegen geringer Nachfrage kräftig nach unten korrigierten Ausgabekurs von 85 Dollar. Auch die Zahl der Aktien hatte Google kurzfristig von 25,7 Millionen auf 19,6 Millionen Stück reduziert. Das Hightech-Papier schloss nach dem ersten Handelstag an der Nasdaq bei 100,34 Dollar (plus 18 Prozent).

Eigentlich sei es am Ende doch ein ziemlich normaler Börsengang gewesen, vermerkte die „New York Times“ lakonisch. Ein Zeichen dafür waren auch die heftigen Handelsaktivitäten am ersten Tag mit 22 Millionen Transaktionen, theoretisch wechselte also jeder Google-Anteilsschein wenigstens einmal den Inhaber. Genau das hatten die Firmenchefs jedoch eigentlich verhindern wollen, als sie sich für ein umstrittenes Auktionsverfahren für den Verkauf der Aktien entschieden. Doch statt als langfristiges Investment zu reüssieren, diente das Google-Papier von Beginn an als Spekulationsobjekt wie so viele Technologie-Aktien zuvor auch. „Augenscheinlich haben sich viele Leute entschieden, es reicht ihnen, einen Tag lang Google-Papiere zu besitzen“, sagte John Thinker, Direktor der kalifornischen Investmentbank Think-Equity Partners der „New York Times“. Die Gewinnmitnahmen waren schließlich auch verlockend.

Nach Schluss des ersten Börsentages hatte Google eine Marktkapitalisierung von 27 Milliarden Dollar – mehr als der Internetbuchhändler Amazon oder Industriekonzerne wie Lockeed Martin oder General Motors. Brin und Page dürfen sich mit einem Vermögen von rund 3,9 Milliarden Dollar nun zu den reichsten Männern der Welt zählen, wenigstens 1000 ihrer 2300 Angestellten sind seit Donnerstag Millionäre – zumindest auf dem Papier. Sie müssen ihre Aktien und Optionen jedoch wenigstens sechs Monate halten, und in dieser Zeit haben sich bei manch anderer Internet-Firma schon diverse Millionen-Vermögen in Luft aufgelöst.

„Google war eine angenehme Überraschung“, sagte Dan Chung, Präsident der Fondsgesellschaft Fred Algar dem „Wall Street Journal“, „ich dachte eigentlich, die Aktien würden nur ein bisschen höher eröffnen und dann hoch und runter gehen.“ „Alles bei diesem Börsengang war anders, nur das Ende bot dann das gewohnte Bild – und das ist schließlich, was zählt,“ resümierte Barry Randall, Verwalter des First American Technology Funds, der auf High-Tech-Aktien spezialisiert ist.

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