Wirtschaft : 1000 neue Callcenter-Jobs in Kreuzberg nicht in Gefahr

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Berlin - Es war der Top-Joker, den Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) noch kurz vor der Wahl aus dem Ärmel zog: 1000 neue Jobs werde ein Investor demnächst nach Berlin bringen, kündigte Wowereit im September in einer Diskussionsrunde mit seinem CDU-Herausforderer Friedbert Pflüger an. Der Investor war, wie sich später herausstellte, Karstadt-Quelle, der in der Hauptstadt ein riesiges neues Callcenter errichten wollte. Doch kaum zwei Monate später kündigte der Einzelhandelskonzern am Montag einschneidende Veränderungen bei der Versandhandels-Service-Gruppe an, zu der auch die Callcenter gehören. Sie sollen verkauft oder gemeinsam mit einem strategischen Partner weiterentwickelt werden, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Das Ende der hauptstädtischen Job-Fantasien?

Der Konzern weist das strikt zurück. „An unseren Plänen ändert sich nichts“, sagte Gerd Koslowski, der bei Karstadt-Quelle für den Versandhandel zuständige Sprecher in Fürth, dem Tagesspiegel. 900 bis 1000 neue Arbeitsplätze sollen seinen Angaben zufolge im Stadtteil Kreuzberg entstehen. „Wir gehen davon aus, dass wir den Betrieb zu Beginn des kommenden Jahres eröffnen werden“, sagte Koslowski. Der Einzelhändler betreibt in Berlin-Friedrichshain bereits ein Quelle-Callcenter mit circa 400 Beschäftigten.

Dem Konzern gehe es darum, die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Geschäftsgruppe wiederherzustellen, sagte der Sprecher. Der neue Callcenter-Standort in Berlin werde daher auf jeden Fall gebaut, „unabhängig davon, ob er später von uns oder einem strategischen Partner geführt wird“. Die Entscheidung über die Zukunft der Versandhandels-Service-Gruppe werde im nächsten Jahr fallen“, sagte der Karstadt-Quelle-Sprecher. Einzelne Gespräche gebe es bereits.

Zu der Gruppe gehören insgesamt 14 Callcenter, fünf Logistikstandorte und Internet-Dienstleister mit insgesamt 10 000 Beschäftigten.

Callcenter gehören zu den wenigen Branchen, die in Berlin zulegen, allerdings ist die Branche berüchtigt wegen der meist niedrigen Löhne. 12 000 Menschen in der Hauptstadt arbeiten bereits in einem Callcenter, in Brandenburg sind es knapp 8000. pet

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