Wirtschaft : 19 Millionen sind offline

Der Anteil der Internetnutzer wächst nur noch langsam. Deutschland liegt im Europa-Vergleich auf Platz sieben

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Berlin - Deutschland ist noch lange nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Noch immer nutzen knapp 19 Millionen Bundesbürger ab 14 Jahren das Internet nicht. Das ist ein Anteil von 28 Prozent. Schlimmer noch: Inzwischen wächst der Anteil der Internetnutzer nur noch langsam und von den 48,3 Millionen, die online sind, ist nur gut jeder Dritte souverän im Netz unterwegs und nutzt die volle Bandbreite der Möglichkeiten. Die digitale Spaltung zwischen denen, die online sind, und denen, die draußen bleiben, sei noch nicht überwunden, fasst Robert Wieland, Geschäftsführer des Marktforschers TNS Infratest das Ergebnis des (N)Onliner Atlas 2010 zusammen.

Für diese repräsentative Studie, die seit zehn Jahren im Auftrag der Initiative D21 erstellt wird, hat TNS Infratest 30 000 Interviews geführt. Die Initiative D21 ist ein Netzwerk aus 200 Unternehmen und politischen Institutionen, die sich zum Ziel gesetzt hat, Deutschland in der digitalen Welt erfolgreich zu machen.

Zwar habe sich der Anteil der Bevölkerung, die das Netz nutzen, in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Aber erst 37 Prozent der Onliner, seien richtig in der digitalen Gesellschaft angekommen und nutzten mehr als etwa nur E-Mail. Es sei aber wichtig, alle Menschen mitzunehmen und zwar so, dass sie sich selbstbestimmt und verantwortlich im Netz bewegen können, meinen die Macher der Studie. Doch die Entwicklung im Lande ist sehr unterschiedlich: Immer noch sind weniger Frauen (64,8 Prozent) als Männer (79,5 Prozent) online, auch ältere Menschen nutzen das Internet unterdurchschnittlich.

In Bremen sind bereits mehr als 80 Prozent der über 14-Jährigen online. Berlin ist mit einem Anteil von 75,2 Prozent von Platz zwei im Vorjahr auf Platz drei abgerutscht. Während die westlichen Bundesländer an der Spitze der Online-Nutzung liegen, nehmen die östlichen Länder die hinteren Ränge ein. Unklar sei, ob die schwache wirtschaftliche Situation dieser Länder der Grund dafür sei, oder umgekehrt, die geringe Internetnutzung zu einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung führe, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Hans-Joachim Otto. Das Ministerium will vor dem nächsten IT-Gipfel im Dezember in Dresden seine neue Internetstrategie vorlegen.

In Europa ist Island Spitzenreiter: 93 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren nutzen dort das Internet. Deutschland nimmt mit einem Anteil von 77 Prozent in dieser Bevölkerungsgruppe nur Platz sieben ein.

Die Studie geht auch am Rande auf die Gründe ein, warum Menschen das Internet nutzen oder nicht. Breitbandige Internetzugänge seien Treiber für eine verstärkte Nutzung des Netzes. Das gilt auch für bessere Inhalte. So hätten besondere Angebote für Frauen und Senioren dazu geführt, dass die Internetnutzung in Bremen so hoch ist. Auch bei der Gestaltung von Service-Angeboten der Behörden im Internet gibt es nach Ansicht der Befragten noch Nachholbedarf. Es reiche nicht, nur Öffnungszeiten im Netz zu veröffentlichen. Auch die Vorgänge selbst müssten online abgewickelt werden können. Verbesserungen verspricht sich Staatssekretär Otto dabei von der Einführung des elektronischen Personalausweises.

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