Wirtschaft : 1999 über 14 Prozent mehr Dividende, doch laut DSW sind die Zeiten ungetrübten Wachstums vorbei

Die Aktionäre haben 1999 von den stark gestiegenen Gewinnen deutscher Unternehmen kräftig profitiert. Mit 35 Mrd. DM (17,9 Mrd Euro) zahlten die Aktiengesellschaften 14 Prozent mehr Dividende als im Vorjahr. Dies teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag in Frankfurt mit. Fast 70 Prozent der Ausschüttungen stammten allein von den 30 größten Unternehmen des Deutschen Aktien-Index (Dax). Gut ein Fünftel der börsennotierten Firmen habe jedoch in den vergangenen zwei Jahren keine Dividende mehr gezahlt.

Insgesamt sei das Jahr 1999 für Anteilseigner bislang zufrieden stellend verlaufen, bilanzierte der Aktionärsverein. Dennoch seien die Zeiten ungetrübten Wachstums insbesondere am Neuen Markt vorbei, warnte die DSW. Bis zum Ende des Jahres rechnet die Schutzvereinigung mit schwankenden Kursverläufen. Positiv äußerten sich die Interessensvertreter von Kleinanlegern über die Informationspolitik der Aktiengesellschaften. Dennoch habe es zuletzt vereinzelt Rückfälle in die Aktiensteinzeit gegeben. Vor allem die Deutsche Telekom habe sich bei ihrem zweiten Börsengang im Frühjahr ihren Aktionären gegenüber ausgesprochen unfair verhalten, meinte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Zu lange habe die Telekom ihre Anteilseigner im Unklaren gelassen, wofür sie das Kapital aus der Aktienausgabe verwenden wollte.

Besorgt ist die DSW über den Trend von der Inhaber- zur Namensaktie. Durch die damit verbundene namentliche Eintragung in die Aktienbücher entstehe ein gläserner Aktionär. Künftig könne leichter ermittelt werden, wer Anteilsscheine kauft und wie lange er sie behält. Die Vorteile eines elektronisch geführten Aktienbuches mit Name, Adresse und Beruf der Aktionäre lägen vorwiegend bei den Unternehmen. Sie seien über Veränderungen der Aktionärsstruktur schneller informiert und könnten Anteilseigner direkter ansprechen.

Die Deutsche Börse Clearing AG in Frankfurt hatte vor kurzem prognostiziert, dass bis zu 80 Prozent der Dax-Gesellschaften schon bald auf Namensaktien umstellten. Damit passten sich deutsche Firmen einer internationalen Entwicklung an. In Deutschland hatte 1998 DaimlerChrysler mit der Umstellung den Anfang gemacht. Siemens, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Mannesmann und Deutsche Telekom sind inzwischen gefolgt.

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