Wirtschaft : 1999 wird viel Liquidität auf den Markt drängen

DANIEL RHEE-PIENING

Die Asienkrise wird auch das kommende Börsenjahr noch überschatten.Davon ist Angela Imlau, Börsenhändlerin der Berliner Volksbank an der Berliner Wertpapierbörse überzeugt."Diese Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen", sagt sie.Auch die Entwicklung in Rußland lasse sich immer noch nicht so genau voraussagen.Hier fürchtet Imlau vor allem, daß die Russen Anleihen nicht zurückzahlen könnten.Immerhin werden einige der Papiere schon im Jahre 2001 fällig.

Zwar seien jüngst die Zinsen bezahlt worden, und dies zeige auch den guten Willen der Russen, aber dies sage noch nichts darüber aus, ob auch die Schulden beglichen würden."Bei Ausfällen wird es sehr schlimm, nicht nur für die Gläubiger sondern auch für das Land." Zusammenfassend könne man sagen, daß die Emerging Markets wieder in das Bewußtsein der Anleger zurückgekehrt seien, nur leider mit negativem Vorzeichen.

Dennoch ist Imlau verhalten optimistisch.Im ersten Halbjahr könnte der Dax auf 5300 bis 5400 Punkte steigen.Danach könnte es aber durchaus wieder zu einer Konsolidierungsphase kommen.Für das Jahresende hatte sie unlängst eine Spanne von 4400 bis 4800 Zählern vorausgesagt, und liegt damit am oberen Ende nicht schlecht.Die Zinsen würden wohl weiter niedrig bleiben oder sogar eher noch weiter sinken, auch wenn natürlich die japanischen Verhältnissen noch weit entfernt seien, wo die Zinsen ja gegen Null tendieren.Diese niedrige Rendite dürfte die Aktienkurse eher stabilisieren, so Imlau.Hinzu komme, daß im Januar viele Fälligkeitstermine seien, also viel Liquidität in den Markt dränge."Was die Festverzinslichen nicht hergeben müssen dann die Aktien bringen".

Sie setzt vor allem auf Konsum-, Handels- und Bautitel.Diese seien in der jüngsten Vergangenheit etwas vernachlässig worden.Risikoreicher seien Stahl, Maschinenbau und die Pharmaindustrie.Keine überdurchschnittlichen Erwartungen setzt sie in Automobiltitel und Versorgerwerte.Die Fusionswelle werde sich sicherlich auch im kommenden Jahr fortsetzen, sagte Imlau.Nach dem Zusammengehen der großen Firmen seien nun die kleineren Firmen gezwungen, sich nach geeigneten Partnern umzusehen.In dem damit einhergehenden Arbeitsplatzabbau sieht sie allerdings eine Gefahr.Der soziale Unfrieden werde weiter geschürt.

Die exportorientierten Werte könnten darunter leiden, daß der Dollar eher zur Schwäche neigen werde, weil der Zinsvorteil der USA gegenüber der Europäischen Union sinken werde.Doch auch mit einem Dollarkurs von 1,60 DM könnten die meisten exportorientierten Industrien in Deutschland wohl noch ganz gut überleben, schätzt Imlau.

Überhaupt werde 1999 für die Börse wegen des Euro ein sehr spannendes Jahr.Die In- wie die Ausländer würden sicherlich zunächst beobachten, wie sich die Einführung des neuen Geldes auf die Börse auswirke.Insbesondere die Privatkunden müßten sich erst auf den Euro einstellen.Doch befürchtet Imlau nicht, daß irgendwelche "abwegigen Dinge" geschehen.Allerdings werde der Euro im kommenden Jahr auch nicht die neue Leitwährung.

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