Wirtschaft : 2,7 Prozent mehr Geld für Metallbeschäftigte

Arbeitgeber können Revisionsklausel nicht nutzen/IG Metall kritisiert Gesamtmetall wegen OT-Verband

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Berlin Die 3,5 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie bekommen zum 1. März 2,7 Prozent mehr Geld. Damit wird eine Tariferhöhung umgesetzt, die von der IG Metall und den Arbeitgebern bereits vor einem Jahr beschlossen worden war. Bestandteil der damaligen Vereinbarung ist aber eine Revisionsklausel: Im Januar 2005 mussten demnach die Tarifparteien überprüfen, ob die Lohnerhöhung angemessen und vertretbar ist. In den entsprechenden Gesprächen haben sich IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall nun darauf verständigt, „dass sich die für 2005 prognostizierten Entwicklungen von Wachstumsrate, Beschäftigung und Preisen nicht so stark von den Erwartungen beim Abschluss unterscheiden, dass eine Revision zwingend geboten wäre“, teilte Gesamtmetall am Dienstag mit.

Die IG Metall wies in einer Stellungnahme auf die wirtschaftliche Lage der Metallindustrie hin. Danach sind die Umsätze in den ersten elf Monaten 2004 um 7,6 Prozent gestiegen, die Produktion erhöhte sich um 5,8 Prozent und die Produktivität um 5,1 Prozent. In 2005 geht die IG Metall von einem weiteren Anstieg der Produktivität um drei bis fünf Prozent aus, weshalb „die vereinbarte Tarifsteigerung von 2,7 Prozent für die Metallwirtschaft ohne Probleme finanzierbar sei“. Dagegen führte Gesamtmetall „Risiken“ an, die als „gute Gründe“ für eine Revision der Lohnerhöhung hätten gelten können: Der Euro-Dollar-Wechselkurs sowie die Rohstoff- und Materialpreise „bergen schwer einzuschätzende Gefahren für die konjunkturelle Entwicklung“. Zudem gebe es große Unterschiede in der Ertragslage der Firmen, „ein ungewöhnlich großer Teil“ schreibe immer noch rote Zahlen. Für diese Unternehmen, so argumentiert wiederum die IG Metall, gebe es „einen reichhaltigen tarifpolitischen Instrumentenkasten, der mit dem Pforzheimer Abschluss sogar noch erweitert wurde“. Vor einem Jahr hatten sich die Tarifpartner in Pforzheim auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt und dabei Möglichkeiten für Abweichungen vom Tarif festgeschrieben. Bislang haben nach Angaben von Gesamtmetall 156 Unternehmen einen entsprechenden Antrag gestellt, in 140 Fällen stimmte die IG Metall zu. Zumeist geht es dabei um die Kürzung von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sowie längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich.

Die IG Metall kritisierte am Dienstag Gesamtmetall wegen dessen Umgang mit den so genannten OT–Verbänden (ohne Tarifbindung). Am Montag hatte der Arbeitgeberverband beschlossen, künftig auch die regionalen OT-Verbände unter seinem Dach aufzunehmen. In diesen OT-Verbänden sind derzeit rund 2000 Firmen mit 200000 Beschäftigten organisiert, die Verbände mit Tarifbindung kommen auf 5000 Firmen mit zwei Millionen Beschäftigten. IG-Metall-Sprecher Georgios Arwanitidis sprach von einem „unfreundlichen Akt“ von Gesamtmetall und einer „weiteren Durchlöcherung des Flächentarifs“. alf

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