20 Jahre Mercedes-"Sprinter" : "Der Sprinter ist mehr als ein Lieferwagen"

Mercedes-Vans-Chef Volker Mornhinweg spricht zum Jubiläum des "Sprinter" über die Marke, ihren Erfolg und das Werk in Ludwigsfelde.

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Der "Sprinter" verkauft sich vor allem in Europa und den USA.
Der "Sprinter" verkauft sich vor allem in Europa und den USA.Foto: Daimler / Jan Potente

Der Sprinter wird 20. Mercedes hat den Transporter, der erstmals 1995 in Düsseldorf vom Band lief, bis heute 2,9 Millionen Mal in 130 Ländern verkauft. Der Hersteller spricht von einem „Weltfahrzeug“. Als einer der größten Arbeitgeber Brandenburgs fertigt Mercedes den Sprinter auch in seinem Werk in Ludwigsfelde mit rund 2000 Beschäftigten. An diesem Donnerstag feiert Daimler-Chef Dieter Zetsche den Geburtstag gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und dem Leiter des Geschäftsfeldes Mercedes-Benz Vans, Volker Mornhinweg, in Düsseldorf.

Herr Mornhinweg, der Sprinter ist doch eigentlich ein gewöhnlicher Lieferwagen. Warum ist er so erfolgreich?
Gelegentlich hört man den Satz: Ich „sprintere“ etwas von A nach B. Daran können Sie ablesen, dass der Sprinter mehr ist als ein Lieferwagen. Er ist eine Marke, die zum Alltag gehört. Seit er vor 20 Jahren zum ersten Mal vom Band lief, erfüllt er genau die Wünsche der Industrie und Gewerbetreibenden: Man kann ihn fahren wie einen Pkw, er ist sicher und sehr effizient. Das spart Kosten.

Im vergangenen Jahr hat Mercedes 186 000 Sprinter verkauft, so viele wie nie. Werden es 2015 mehr? Oder machen China, Russland und Südamerika Ihnen einen Strich durch die Rechnung?
Wir werden in diesem Jahr deutlich mehr verkaufen, mehr verdienen und mehr Umsatz machen. Insgesamt wird der Geschäftsbereich Mercedes Vans die Marke von 300 000 verkauften Fahrzeugen 2015 überspringen.

Woher kommt das Wachstum?
Vor allem aus Europa und den USA.

Volker Mornhinweg leitet den Bereich Mercedes-Benz Vans im Daimler-Konzern.
Volker Mornhinweg leitet den Bereich Mercedes-Benz Vans im Daimler-Konzern.Foto: promo

Sind die deutschen Werke in Düsseldorf und Ludwigsfelde ausgelastet?
Ja, wir fahren Sonderschichten. 70 Prozent der Produktion gehen in den Export.

Die Schwäche Chinas trifft Sie nicht?
Für uns spielt China – anders als Europa, Nord- und Südamerika oder Russland – keine so große Rolle wie für die Kollegen im Pkw-Geschäft. Geschlossene Transporter wie der Sprinter sind in China nicht so verbreitet. Wir verkaufen dort nur einige tausend Fahrzeuge im Jahr, meist als Personentransporter. Hinzu kommt: Mercedes wird besonders in China als Premiummarke gesehen. Luxus bemisst sich dort auch an der Größe des Sterns. Der Sprinter ist den Chinesen noch zu schade, um damit Güter zu transportieren.

Wirkt sich das schwächere Wachstum in China nicht auf andere, für Sie wichtigere Märkte aus? Sie haben sechs Werke auf vier Kontinenten.
Es ist noch zu früh, um über mögliche Rückwirkungen auf den deutschen und den europäischen Markt zu spekulieren. Die Auftragslage ist weiterhin spitze. Gleiches gilt für die USA. Die Rezession in Brasilien oder der Einbruch in Russland tun natürlich auch uns weh. Das hat aber nichts mit China zu tun.

Sie bereiten gerade den Bau eines Werkes in den USA vor. Das hat anfangs für viel Unruhe gesorgt – nicht nur in Düsseldorf, sondern auch am Standort Ludwigsfelde.
Der US-Markt ist nach Europa der zweitgrößte für den Sprinter. Hier sind wir – zugegeben auf niedrigem Niveau – in den vergangenen Jahren zweistellig gewachsen. Künftig werden wir produzieren, wo unsere Kunden sind. Das heißt nicht, dass wir Ludwigsfelde und Düsseldorf vernachlässigen. Wie Sie wissen, investieren wir 300 Millionen Euro in den Standort Düsseldorf und 150 Millionen in Ludwigsfelde. Wir machen die Werke langfristig fit. Aber: Wir müssen permanent an der Effizienz arbeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir sind immerhin der einzige Großtransporterhersteller, der in Deutschland produziert.

In Ludwigsfelde stellen sie bis Ende 2016 parallel den Volkswagen Crafter her. Was kommt nach VW: Renault?
Wir nutzen die Kapazität des Werkes allein. Ein knappes Viertel der jährlich 50 000 Transporter, die in Ludwigsfelde vom Band rollen, ist aktuell für VW – und künftig zusätzlich für Mercedes. Wir bereiten die sehr innovative Fabrik seit diesem Sommer schon auf die neue Sprinter-Generation vor.

Es gehen also keine Jobs verloren?
Nein. Im Gegenteil. Wir brauchen dringend Kapazitäten, um die Nachfrage bedienen zu können.

Metropolen wie Berlin ächzen unter dem innerstädtischen Verkehr. Wann kommt der elektrische Sprinter auf den Markt?
Technisch könnten wir schon heute einen E-Sprinter anbieten. Wir sehen derzeit aber weder die Nachfrage noch die Lade-Infrastruktur dafür. Sollte sich das ändern, können wir schnell reagieren.

Volker Mornhinweg (55) führt seit 2010 den Geschäftsbereich Mercedes-Benz Vans im Daimler-Konzern. Von 2001 bis 2002 war er Leiter des Werks in Berlin-Marienfelde.

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