Wirtschaft : 200. Unternehmen in diesem zukunftsträchtigen Börsensegment

mot

Mit dem französischen Internet-Dienstleister Integra ist am Dienstag das 200. Unternehmen in den Handel des Neuen Marktes der Frankfurter Börse aufgenommen worden. Integra ist zugleich das erste französische Unternehmen, dessen Aktien im Marktsegment für wachstumsstarke und innovative Firmen notieren. Insgesamt zählt der Neue Markt jetzt 32 ausländische Unternehmen. An der Pariser Börse, wo Integra seit Juni gehandelt wird, kletterte der Kurs seit der Emission um fast 400 Prozent. Für das Zweitlisting in Frankfurt war ein Preis von 92 Euro je Aktie festgesetzt worden. Die Erstnotiz für die 1,1 Millionen neuen Aktien lag bei 110 Euro.

Der Neue Markt festigt mit der Notierung des 200. Unternehmens sein Erfolgsimage. Auch die Franzosen sehen nach eigenen Angaben ihr Engagement in Frankfurt als "idealen Ausgangspunkt" für ihre aggressive Expansionsstrategie in Europa. Auf dem Kurszettel des deutschen Börsensegments, das die Deutsche Börse AG am 10. März 1997 aus der Taufe hob, wurden seit Jahresanfang rund 160 neue Werte notiert. "Damit ist der Neue Markt mit weitem Abstand die führende Plattform für Börsengänge in Europa", teilte die Deutsche Börse am Dienstag mit. Das kumulierte Emissionsvolumen stieg seit dem Start des Marktsegments auf über 10 Milliarden Euro, die Marktkapitalisierung auf rund 85 Milliarden Euro. "1999 erreichte der Neue Markt damit einen Anteil von über 80 Prozent der Marktkapitalisierung aller europäischen Wachstumsmärkte", so die Börse AG. 85 Prozent aller Umsätze in diesem Segment konzentriere der Frankfurter Marktplatz zudem auf sich. Die Emissionsflut soll nach Einschätzung von Experten auch im kommenden Jahr anhalten. Neuzugänge werden dann vor allem aus dem Internet-Bereich erwartet.

Ein erfolgreicher Start am Neuen Markt ist freilich schon seit längerem nicht mehr garantiert. Im vergleichsweise milden Crash-Monat Oktober gerieten die Kurse einiger Schwergewichte kräftig unter Druck, Neulingen wie OTI oder Entrium ging nach wenigen Tagen auf dem Parkett die Puste aus. Ihre Aktien notierten kurz nach dem Börsendebüt unter dem Ausgabepreis. Börsenanwärter wie Abit oder Novasoft verschoben gar aus Sorge vor dem Kurssturz ihr Going Public in letzter Minute. Als krisenfest erwiesen sich zuletzt Medienaktien, die die Fantasie der Anleger geweckt haben. Ob der Run auf die Titel der Traumfabriken allerdings fundamental gerechtfertigt ist, wird sich laut Analysten im kommenden Jahr erweisen, wenn sich in der Branche die Spreu vom Weizen trennt.

Unternehmen wie der französischen Integra sagen Analysten eine glänzende Zukunft voraus. Der Internet-Spezialist will den Emissionserlös von rund 100 Millionen Euro investieren, um in Schlüsselmärkte insbesondere im Norden Europas vorzustoßen. Die Weiterentwicklung des Unternehmens soll durch Zukäufe quer durch Europa erfolgen. Analysten erwarten, dass die Anzahl der Internet-Geschäfte in den kommenden Jahren explodieren wird. Integra verwaltet derzeit die E-Commerce-Seiten von mehr als 780 Unternehmen und könnte demnach von dieser Tendenz profitieren.

Den Herbst-Knick in der Perfomance konnte der Neue Markt unterdessen wieder ausbügeln. Seit Anfang November legte der Blue-Chip-Index Nemax-50 um 24 Prozent zu, der zuletzt kräftig gestiegene Dax gewann dagegen im gleichen Zeitraum "nur" elf Prozent, der M-Dax der 70 wichtigsten Nebenwerte verharrte nahezu unverändert an der 4000-Punkte-Marke. Die Experten sind sich einig: Die Erfolgsgeschichte des Neuen Marktes wird weiter gehen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Unternehmen - aber auch die Banken - den gewachsenen Qualitätsansprüchen der Anleger gerecht werden. Der scharfe Wettbewerb unter den Emissionsbanken hatte in den vergangenen Monaten zu Zugeständnissen bei der Börsenreife und Qualität der Neuzugänge geführt - und manche Luftblase zum Platzen gebracht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben