Wirtschaft : 21000 Klagen gegen Tricks und Abzocke Firmen greifen verstärkt zu unlauteren Methoden

Rolf Obertreis

Bad Homburg - Beim Kampf um das knappe Geld der Verbraucher greifen immer mehr Firmen auf Tricks und Abzock-Methoden zurück. Knapp 21000 Beschwerden gingen im vergangenen Jahr bei der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs ein – neun Prozent mehr als 2003. Auffällig war dabei die zunehmende Zahl der Verstöße im Gesundheitssektor, wie Geschäftsführer Reiner Münker sagte.

In zahlreichen Fällen ging es dabei um die Praxisgebühr. So baten mehrere Reisebüros Ärzte, in ihren Praxen Gutscheine im Wert von zehn Euro als Entschädigung für die Praxisgebühr zu übergeben. Bei der Buchung einer Reise sollte dies verrechnet werden. Die Aktion wurde ebenso untersagt wie das Lockangebot einer Betriebskrankenkasse, die gegen Abschluss einer privaten Zusatzversicherung die Praxisgebühr für drei Quartale erstatten wollte. Andere Krankenkassen wollten Zusatzversicherungen verkaufen mit dem falschen Hinweis, der Zahnersatz werde 2005 nicht mehr von der gesetzlichen Kasse übernommen.

Die Supermarktkette Wal-Mart holte sich wegen irreführender Preis-Werbung sogar eine gerichtliche Abfuhr. Das Unternehmen hatte unter dem Motto „Bester Preis vor Ort“ für seine Produkte geworben, sie dabei allerdings teurer angeboten als die Konkurrenz. Mehrfach im Fokus der Wettbewerbszentrale waren auch Elektronik-Fachmärkte, die Rabatte gegenüber der angeblich unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers suggerierten. Die aber gab es gar nicht – oder sie war deutlich niedriger.

Insgesamt registrierte die Zentrale allein 5500 Fälle von undurchsichtigen Werbeaktionen, unlauteren Gewinnspielen und Verstößen gegen die Preisangabenverordnung. Immerhin konnten in mehr als 80 Prozent der Fälle die Verstöße ohne die Einschaltung von Gerichten geklärt werden. Gleichwohl: Auch 2004 musste die Wettbewerbszentrale 946 Prozesse führen.

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