216 Tonnen : Bundesbank holt Gold schneller nach Deutschland

Die Verlagerung der Goldreserven aus dem Ausland nach Deutschland wird schon in diesem Jahr abgeschlossen - zwei Jahre früher als geplant.

Die Bundesbank präsentierte am Donnerstag einige der Goldbarren in ihrer Zentrale in Frankfurt.
Die Bundesbank präsentierte am Donnerstag einige der Goldbarren in ihrer Zentrale in Frankfurt.Foto: Boris/RösslerAFP

Carl-Ludwig Thiele hatte sogar einige Goldbarren mitbringen lassen. Um Zweifler zu überzeugen. Die Zahlen, die Vorstandsmitglied Thiele am Donnerstag in der Bundesbank-Zentrale präsentierte, drehten sich allerdings um erheblich mehr als ein paar Barren: Genau gesagt um 216 Tonnen Gold, das Deutschland gehört und das die Bundesbank 2016 aus dem Ausland in ihre Tresore geholt hat. 111 Tonnen hat sie aus Lagerstätten in New York nach Frankfurt bringen lassen, 105 Tonnen aus Paris. Allerdings schneller als geplant. Schon im September war der Transport der insgesamt dafür vorgesehenen 300 Tonnen Gold aus New York abgeschlossen, eigentlich war dafür das Jahresende angepeilt.

Vor vier Jahren hatte sich die Bundesbank – auch wegen des öffentlichen Drucks und auf Drängen des Bundesrechnungshofes – entschlossen, bis 2020 insgesamt 674 Tonnen der bundeseigenen bei den Notenbanken in New York und Paris gelagerten Goldbestände nach Frankfurt am Main zu holen. Auf streng geheimen Wegen ist das Edelmetall seitdem nach und nach in die Tresore auf dem Gelände der Bundesbank-Zentrale im Norden Frankfurts gelangt. Alles sei reibungslos verlaufen, sagt Thiele. „Es gab keinerlei Beanstandungen.“

Trump und Brexit sind kein Grund für weitere Verlagerung

Noch in diesem Jahr will die Bundesbank die restlichen 91 der früher dort gelagerten 374 Tonnen von der Seine an den Main bringen lassen. Gleichwohl wird auch in Zukunft nicht das gesamte Gold der Bundesbank in Frankfurt verwahrt. Vom gesamten deutschen Goldschatz mit einem Gewicht von 3378 Tonnen bleiben 1236 Tonnen bei der US-Notenbank Fed in New York und 432 Tonnen bei der Bank of England. Thiele zufolge gibt es auch nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump keinen Anlass und keine Notwendigkeit, auch das restliche Gold aus New York nach Frankfurt zu verlagern. Schließlich arbeite die Bundesbank vertrauensvoll mit der Fed zusammen. "Im übrigen haben auch die Vereinigten Staaten einen Teil ihrer Währungsreserven bei uns", ergänzt Thiele.

Grund zu Änderungen sieht er auch nicht im Blick auf das in London gelagerte Gold - trotz des bevorstehenden Austritts der Briten aus der Europäischen Union. Thiele erwartet, dass London auch nach dem Brexit seine Position als weltweit größter Handelsplatz für Gold behalte. Für die Bundesbank sei es, so Thiele, auch wichtig, das Gold dort zu lagern, wo es im Notfall schnell zu Geld gemacht werden könne. Und diese Möglichkeit bietet eben London.

Lagerung im Ausland hat historische Gründe

Seit den fünfziger Jahren wurden die durch den wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik und die Exporterfolge in den USA eingenommen Dollar gegen Goldforderungen eingetauscht, was zum Anwachsen der Reserven in New York führte - aber auch in London und Paris - wo es jeweils von den Notenbanken sicher verwahrt wurde. Der Bundesrechnungshof allerdings bemängelte 2012, dass die Bundesbank die Goldreserven im Ausland noch nie "körperlich aufgenommen und auf Echtheit geprüft" habe. Obwohl sie nie Zweifel gehegt und mit den Notenbanken in den USA, Frankreich und England immer eng zusammen gearbeitet hatte, entschied sich der Bundesbank-Vorstand vor vier Jahren zu einer eingehenden Prüfung und dazu, Teile des Goldschatzes in ihre Tresore zu holen. Dieser Prozess soll im laufenden Jahr und damit zwei Jahre früher als geplant abgeschlossen werden.

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