Wirtschaft : 25 000 Bauernhöfe stehen vor dem Aus

BONN (sm/HB).Ein Drittel der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe steht vor extremen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.Bis zu 25 000 der 530 000 Betriebe könnten im laufenden Wirtschaftsjahr 1998/99 schließen, erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, am Montag bei der Vorlage des Jahresberichts 1999 in Bonn.Danach hat sich bereits in dem am 30.Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 1997/98 die wirtschaftliche Situation der Bauern deutlich verschlechtert.Für das laufende Wirtschaftsjahr 1998/99 rechnet Sonnleitner mit einem weiteren Minus.Im Durchschnitt der landwirtschaftlichen Betriebe habe sich das Unternehmensergebnis 1997/98 mit rund 57 700 DM nominal um ein Prozent, real um 2,5 Prozent verringert.Das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft habe mit 37 900 DM um 400 DM unter dem Vergleichswert des Vorjahres gelegen.Der Abstand zum gewerblichen Vergleichslohn in Höhe von 53 600 DM habe sich dadurch auf fast ein Drittel vergrößert.Die Umsatz- und Eigenkapitalrenditen im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe bezifferte Sonnleitner auf "nahezu Null".

Den größten Einbruch hätten im Berichtsjahr die Veredelungsbetriebe aufgrund der "katastrophalen Erzeugerpreise" für Schlachtschweine und Ferkel hinnehmen müssen.Hier sei das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft um 23 Prozent auf 49 000 DM zurückgegangen.Im laufenden Wirtschaftsjahr 1998/99 rechnet Sonnleitner im Durchschnitt aller Betriebe mit einem weiteren Minus von fünf Prozent beim Unternehmensergebnis.Als Grund nannte der Bauernpräsident, daß die Schweinepreise "im freien Fall" auf einen bisher nicht gekannten Tiefstand gesunken seien.Obwohl die Erzeugerpreise in den vergangenen zwei Wochen die Talsohle verlassen hätten, werde es im Jahresvergleich "bei einem dicken Minus bleiben", sagte Sonnleitner.Scharfe Kritik übte er an der Steuerpolitik der Bundesregierung.Die Bauern würden durch das "sogenannte Steuerentlastungsgesetz" mit mehr als zwei Mrd.DM belastet.Für einen bäuerlichen Familienbetrieb mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 4000 bis 5000 DM ergebe sich eine Zusatzbelastung von jährlich 2700 DM, rechnete Sonnleitner vor.Er begrüßte, daß die neue Bundesregierung massiv die Begrenzung der deutschen Beiträge zum EU-Haushalt betreibe.Auch die "realistischen Einschätzungen" von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer zur EU-Erweiterung werde vom Bauernverband unterstützt, betonte Sonnleitner.Als zweitgrößte Wirtschaftsbranche mit einem Jahresumsatz von 981 Mrd.DM wolle die Land- und Ernährungswirtschaft auch am "Bündnis für Arbeit" beteiligt werden, forderte Sonnleitner.Immerhin hingen vier Millionen Arbeitsplätze an der Landwirtschaft.

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