Wirtschaft : 3,5 Prozent Plus

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Die Arbeitskampfniederlage um die 35Stunden-Woche im Osten hat die IG Metall noch nicht verkraftet. Die Konjunktur kommt nicht in Schwung, und die Zahl der Arbeitslosen wird sich in den kommenden Wintermonaten Richtung fünf Millionen bewegen. Das alles sind schlechte Voraussetzungen für eine Tarifauseinandersetzung um Lohnprozente. „Der Wunsch, mit einer hohen Forderung in die Tarifrunde zu gehen, ist begrenzt“, sagt Armin Schild, zuständiger Abteilungsleiter in der IG Metall-Zentrale.

Schilds Chef ist Berthold Huber, der neue zweite Vorsitzende der Gewerkschaft. Und der hat bereits ein Forderungsvolumen skizziert: Inflationsrate und gesamtwirtschaftlicher Produktivitätsfortschritt machten derzeit knapp 3,5 Prozent aus, sagte Huber dem Handelsblatt. Aber was ist mit der Konjunktur im nächsten Jahr? Schild geht für 2004 von einem leichten und für 2005 von einem starken Aufschwung aus – und möchte diese mutmaßliche Entwicklung durch einen entsprechenden Tarifabschluss abdecken. Das würde für eine längere Laufzeit anstatt der üblichen zwölf Monate sprechen.

Der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer befürwortet eine längere Laufzeit, weil dadurch auch die Umsetzung des neuen Entgeltrahmenabkommens (ERA) erleichtert würde. Das komplizierte ERA sieht die Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten vor. Aber das kostet Geld, und zwar muss im Rahmen der nächsten Tarifrunde 1,39 Prozent dafür verwendet werden. Also wird versucht werden, die 1,39 Prozent über einen längeren Zeitraum zu verteilen, damit die nächste Lohnrunde nicht zu einer Trauerveranstaltung für die Metaller wird. Voraussichtlich Mitte Dezember beginnen die Verhandlungen. Davor steht die Auseinandersetzung über die künftige Differenzierung der Tarifpolitik auf dem Gewerkschaftstag, wie sie Berthold Huber mit ertragsabhängigen Entgeltbestandteile vorschwebt. Doch da wird er sich gegen Jürgen Peters durchsetzen müssen. alf

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