Wirtschaft : 3,7 Prozent mehr Geld in der Chemie Tarifabschluss für

550 000 Beschäftigte.

Berlin - Ein paar hundert Ausbildungsplätze mehr, weniger befristete Arbeitsverträge und eine Erhöhung der Gehälter um 3,7 Prozent – das sind die Elemente des ersten großen Tarifabschlusses in diesem Jahr. Nach anderthalbtägigen Verhandlungen verständigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft am Mittwoch in Hannover auf den neuen Vertrag, der für rund 550 000 Beschäftigte in 1900 Betrieben der chemischen und pharmazeutischen Industrie gilt.

Die 3,7 Prozent gibt es, je nach Tarifbezirk, ab Februar, März oder April. Für die Beschäftigten in Berlin (West) steigen die Entgelte im März; im Ostteil der Stadt, der zum Tarifgebiet Ost zählt, wird die Erhöhung erst im April wirksam. Allerdings könnte es – unabhängig vom Tarifbezirk – zu einer Verzögerung um bis zu zwei Monate kommen, sofern es den Unternehmen schlecht geht. Der neue Tarif gilt die kommenden 14 Monate.

Margret Suckale, Personalvorstand bei BASF und ehrenamtliche Präsidentin der Chemiearbeitgeber, freute sich über den Tarifkompromiss und die „funktionierende Sozialpartnerschaft in der Chemie“. Wichtig sei, „dass die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben – gerade in einer Zeit, in der immer mehr Belastungen auf die Wirtschaft zukommen“, sagte Suckale mit Blick auf die Energiekosten. Auch den Arbeitgebern sei es eine „Herzensangelegenheit“ gewesen, etwas für die Jugend und somit für die „Fachkräfte von morgen zu tun“. In den kommenden Jahren wollen die Firmen 9200 Ausbildungsplätze pro Jahr anbieten, bislang sind es 9000. Und den übernommenen Azubis soll „möglichst“ ein unbefristeter Arbeitsvertrag angeboten werden.

Michael Vassiliadis, Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), sprach von der „richtigen Zukunftsstrategie“, um den demografischen Wandel in der Branche zu gestalten. Die Ausbildungs- und Übernahmeperspektiven der jungen Leute hätten sich mit dem neuen Tarifvertrag deutlich verbessert. „Die Ära der Befristungen geht zu Ende.“ Seit 2003 habe sich die Zahl der Ausbildungsplätze in der chemischen Industrie um mehr als zehn Prozent erhöht. Mit dem Abschluss von Hannover kommt die Gewerkschaft relativ nahe an ihre Forderung von 5,5 Prozent für zwölf Monate heran. Eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 60 Euro, wie ursprünglich angestrebt, konnte die IG BCE allerdings nicht durchsetzen. alf

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